Oh, Verbindungen! Wer liebt sie nicht? Die Freude, die wir empfinden, wenn wir uns mit anderen Menschen verbinden, ist einfach unbeschreiblich. Die Möglichkeit, unsere Gedanken und Emotionen zu teilen, gibt uns das Gefühl, dass wir niemals allein sind. Denn wer will schon allein sein?
Autor: Thomas Volkmar
Müssen wir ja auch nicht mehr, wo wir doch jederzeit über unsere Handys verbunden sind, chatten oder stundenlang durch soziale Medien scrollen können und so Teil des Lebens anderer werden. Schöne neue Welt, niemand ist mehr allein - okay, nicht mehr im physischen Sinne, also im Sinne von reale Menschen treffen und mit ihnen Zeit verbringen. Aber hey, wer braucht das noch, wenn wir stattdessen Likes und Kommentare auf Instagram bekommen können? Wir können uns stundenlang mit Followern auf Facebook über deren Probleme austauschen und auch mal anonym pöbeln, haten und beleidigen, anstatt uns um unser eigenes Leben kümmern zu müssen. Alles schön oberflächlich und unverbindlich, aber wer braucht schon tiefere Verbindungen, wenn wir immer noch 1.000 „Freunde“ auf Snapchat haben und dafür noch nicht mal das Haus verlassen müssen.
Aber mal im Ernst: Genau solche Verbindungen können uns ziemlich in die Irre führen. Frei nach Peter Fox „Jeder hat’n Hund, aber keinen zum Reden“. Wir verbringen so viel Zeit damit, uns mit anderen zu verbinden, dass wir manchmal vergessen, wer wir sind und was wir wollen. Wir werden abhängig von der Aufmerksamkeit und Bestätigung anderer und verlieren den Fokus auf unsere eigenen Ziele und Träume, weil die echten Freunde, mit denen man von Angesicht zu Angesicht sprechen kann, fehlen.
Richtig schwierig wird es dann, wenn diese schönen neuen Verbindungswelten zu echten Krankheitsbildern führen. So zum Beispiel zur Nomophobie. Der Begriff ergibt sich aus dem englischen „No-Mobile-Phone-Phobia“ und beschreibt die Angst davor, vom Smartphone getrennt zu sein. Dies ist keine Suchterkrankung, sondern eine ernst zu nehmende Angststörung, die sich auch körperlich auswirkt und behandelt werden muss. Eine im Februar dieses Jahres erschienene Studie der privaten Hochschule Göttingen hat ergeben, dass ca. die Hälfte der Befragten ein mittleres Maß an Nomophobie aufwiesen und 4,1 Prozent sogar unter einer schweren Nomophobie leiden.
Aber nicht nur im Privaten sind Verbindungen ein Thema; in der Geschäftswelt ist das Verbinden auch sehr beliebt, nur heißt es hier ganz businessmäßig Netzwerken. Da wird sich vernetzt, was das Zeug hält, das Ziel dabei meist, geschäftlichen Erfolg zu generieren.
Ja, Verbindungen sind großartig, aber manchmal müssen wir auch loslassen. Loslassen von oberflächlichen Beziehungen, die uns nicht weiterbringen. Loslassen von Menschen, die uns nicht guttun. Loslassen von Kontakten, die uns nur ausnutzen wollen. Loslassen von Gewohnheiten, die uns in unseren Fortschritten einschränken.
Denn manchmal führt das Loslassen zu der besten Verbindung, die wir jemals hatten – mit uns selbst.