Kitas, Schulen, Universitäten, aber auch Behörden, Unternehmen und Krankenhäuser – sie alle verbindet aus soziologischer Sicht ein zentrales Merkmal. Man wird infolge einer expliziten Entscheidung „Mitglied“ in ihnen. Damit unterscheiden sich diese sogenannten organisierten Sozialsysteme zum Beispiel von Familien oder sozialen Netzwerken. Doch was hält Menschen in Unternehmen, was verbindet sie? Denn so, wie unsere Gesellschaft über Bindekräfte verfügt, braucht es auch in Unternehmen Zusammenhalt und Miteinander. Human Ressources – inzwischen wird immer häufiger von Human Relations gesprochen – ist ein Thema, das auch Timo Westerbeck bewegt. Der studierte Soziologe ist Personalreferent bei Bockermann Fritze IngenieurConsult.
Autorin: Corinna Bokermann
Bei der Entscheidung für ein Unternehmen ist für die meisten Menschen der monetäre Faktor ausschlaggebend. Doch eben nicht nur. Es braucht auch Identifikationsfaktoren. „Wenn man sich nicht damit identifizieren kann, was ein Unternehmen auf gesellschaftlicher und inhaltlicher Basis macht, fehlen auch die Bindekräfte“, betont Timo Westerbeck. Der 32-Jährige hat an der Universität Bielefeld Soziologie studiert und dort seinen Master in Organisationssoziologie abgeschlossen. Die Fakultät zählt zu einer der größten sozialwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen und eigenständigen Fakultät in Deutschland und in Europa. Bei Bockermann Fritze kümmert er sich um das Thema Employer Branding, hierbei geht es u. a. darum, die Arbeitgebermarke sowohl intern als auch extern zu stärken und diese bei öffentlichen Veranstaltungen zu vertreten. Ein wesentlicher Punkt in Sachen Zusammenhalt ist für ihn aber auch die Kollegialität. Sie entwickelt sich zwischen Mitarbeitenden, die zusammenarbeiten und gemeinsam Ziele erreichen wollen. „Auch sie trägt dazu bei, dass Menschen in Organisationen bestehen und verbleiben“, macht er deutlich. Gute Teams bzw. Arbeitsgruppen zu bilden, ist deshalb eine große Herausforderung für jedes Unternehmen und natürlich auch das Ziel von Personalabteilungen, die sich mit dem Thema Human Ressources beschäftigen. „Und es ist ein Thema, das bereits mit der Personalauswahl beginnt“, stellt Timo Westerbeck fest.
Wer wiederum auf der Suche nach einer neuen beruflichen Aufgabe ist, kann sich im Vorfeld mit dem, was ein Unternehmen macht, auseinandersetzen. Ist jemandem beispielsweise das Thema Nachhaltigkeit besonders wichtig, steht dieser Aspekt auch bei der Auswahl möglicher Arbeitgebender im Fokus. „Man spricht in diesem Fall von einer Zweckidentifikation, die Menschen antreibt, sich bei entsprechenden Unternehmen zu bewerben“,
erklärt Timo Westerbeck. „Was die Organisation bietet, wie dort kommuniziert wird oder wie eigene Ideen Berücksichtigung finden, sind Gesichtspunkte, die sich erst beantworten lassen, nachdem man ins Unternehmen gewechselt hat. Und zwar durch persönliche Erfahrungen. Diese Ungewissheit muss die wechselwillige Person akzeptieren und in Kauf nehmen.“ Wie spannend die Arbeit bzw. Projekte sind, ob man Rückendeckung von Vorgesetzten erhält oder ob der Arbeitsplatz Raum für die persönliche Entfaltung bietet, sind Faktoren, die durch das persönliche Erleben die Verbindung zum Unternehmen nachhaltig prägen.
Die Unternehmenskultur spielt eine große Rolle, ob sich Mitarbeitende wohlfühlen. Wie und mit wem kommuniziert wird, trägt wesentlich dazu bei. „Der Mensch ist schließlich ein Kommunikationswesen“, sagt Timo Westerbeck. „Bei Bockermann Fritze haben wir genau aus diesem Grund viele offene Begegnungsräume geschaffen, die den Zusammenhalt und die Verbindung untereinander stärken. Hier entstehen gerade durch die Möglichkeit des informellen Austauschs wichtige Impulse. Insbesondere auch zwischen den drei Unternehmen der Bockermann Fritze Gruppe, denn keines der drei Unternehmen arbeitet für sich.“ Einmal monatlich treffen sich zufällig ausgewählte Mitarbeitende im großen Foyer, um in lockerer Atmosphäre diesen Austausch zu leben. Denn das Zwischenmenschliche befördert einfach auch das Arbeitsleben. „Man greift eher mal zum Hörer, um etwas zu erfragen oder zu klären, wenn man sich persönlich kennt“, weiß der Personalreferent.
Gleichzeitig brauchen Mitarbeitende eine Perspektive für Weiterentwicklung, die ebenfalls die Bindung zum Unternehmen stärkt. „Damit fangen wir schon bei den Auszubildenden und den Berufsanfänger*innen an, die wir mitnehmen und im Unternehmen halten wollen“, betont Timo Westerbeck. Welche Rolle nehmen Mitarbeitende ein, welche könnten sie ausfüllen und wie ist das Zusammenspiel – das sind für ihn weitere spannende Fragen in punkto Mitarbeiterentwicklung. „Vor allem sind nicht nur die Hard Skills eines Mitarbeitenden entscheidend, sondern auch die Soft Skills, die jede/r mit- und einbringt“, so Timo Westerbeck. Und da in Unternehmen komplexe soziale Strukturen aufeinandertreffen, ergeben sich daraus immer auch Konsequenzen, wenn es darum geht, Menschen mitzunehmen und beispielsweise Teams zu bilden. „Da sich durch Teamarbeit die größten Erfolge generieren lassen, ist uns die Homogenität eines Teams mit Blick auf die Gruppendynamik daher enorm wichtig“, resümiert der 32-Jährige.