3. Mai, Flughafen Paderborn-Lippstadt. Die Bedingungen sind optimal: blauer Himmel, vereinzelte Schleierwolken und eine leichte Brise (acht Knoten). Die Wiese – im Fachjargon Dropzone –, auf der Karen Schmidt später landen wird, liegt fünf Minuten vom Flughafen entfernt mit idyllischem Blick auf die hügelige Landschaft rund um die Wewelsburg.
Autorin: Stefanie Gomoll
Aufregung auf einer Skala von eins bis zehn? „Eindeutig zehn“, lacht Karen Schmidt, als sie pünktlich an der mit einer Flagge markierten Dropzone eintrifft. Die Aufregung ist der Kauffrau für Büromanagement ebenso anzusehen wie die Vorfreude. „Ich hatte schon immer Lust einen Tandemsprung zu machen“, sagt die 22-Jährige. Dass sie sich jetzt tatsächlich traut, ist einer besonderen Idee ihres Arbeitgebers Bockermann Fritze zu verdanken. Der Tandemsprung wurde nämlich unter den Kolleginnen und Kollegen zum Thema „Verbindungen“ verlost. „Ich bin dankbar für diese Gelegenheit“, unterstreicht Karen Schmidt. „Das macht nicht jedes Unternehmen für seine Mitarbeitenden.“ Überhaupt fühlt sie sich dem familienfreundlichen Unternehmen verbunden. Im letzten Sommer hat sie dort ihre Ausbildung abgeschlossen. „Ich finde es toll, dass ich bei Fragen jeden ansprechen kann und sich alle gegenseitig unterstützen. Deshalb ist es auch so cool, dass meine Kolleginnen beim Sprung dabei sind. Die haben sofort gesagt, dass sie mitkommen. Das macht die Firma auch irgendwie aus.“
Jetzt zählt erst einmal eine ganz andere Verbindung. Karen zieht den Jumpsuit über ihre Kleidung und legt anschließend das Gurtsystem an, das sie beim Sprung sicher mit ihrem Hintermann verbinden wird. Andy, lizensierter Tandemmaster vom Fallschirm-Sportspringer-Club Bielefeld e. V., gibt ihr wichtige Hinweise zum Verhalten und der korrekten Körperhaltung beim Sprung und bei der Landung. Wichtigster Tipp: „Lächeln, Daumen hoch und einfach genießen.“ Alles andere hat er im Griff. Vor dem großen Abenteuer steht allerdings noch der „Papierkram“. Wer im Tandem springt, muss einige Bedingungen erfüllen, die vom Mindestalter (14 Jahre) bis zum Ausschluss von Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Unfällen in den letzten zwölf Monaten reichen.
Nach dem kurzen Weg rüber zur Flugbahn steigt die Aufregung. „Mindestens zwölf auf einer Skala bis zehn“, sagt die sympathische Bürokauffrau beim Einstieg in die kleine Cessna 182. Rund 20 Minuten dauert es, bis die Flughöhe von 4.000 Metern erreicht ist. Während die Kolleginnen zurück zur Dropzone gehen und gebannt gen Himmel blicken, genießt Karen den Flug. „Im Flugzeug habe ich mich zuerst etwas mulmig gefühlt“, erzählt sie rückblickend. „Aber die Unterhaltung mit meinem Hintermann hat mich beruhigt. Als Andy erzählt hat, wie viele Tausend Sprünge er schon absolviert hat, habe ich gefühlt, dass ich ihm vertrauen kann. Und als er die Gurte richtig festgemacht hat, habe ich die Verbindung gespürt. Als dann die Tür für den Sprung aufging, war es schon etwas komisch, aber alles ging sehr schnell und dann war die Aufregung weg.“
Doch gerade, weil von der Grundstückssuche über die Standortentwicklung, vom Projektmanagement bis zur Generalplanung sehr viele Beteiligte das „Feld zusammen bespielen“, wie es Matthias Kruse ausdrückt, ist eine verbindliche sogenannte integrale Planung umso wichtiger. „Und da jede Disziplin das Beste für sich will, ist es auch ein bisschen wie Flöhe hüten“, lacht der Architekt. „Es braucht einen ‚Dompteur‘ in dem Zirkus, damit es eine zielgerichtete Struktur gibt.“ Umso besser, dass Bockermann Fritze nicht nur viele gute Ideen hat, sondern sie auch zu verbinden weiß.
18:00 Uhr.
Als die Zuschauenden am Himmel tatsächlich winzig klein den Fallschirm erkennen können, hat Karen den spannendsten Moment bereits hinter sich. „Der Freifall ins Nichts ist schon krass“, sagt sie nach der Punktlandung an der Flagge. „Das Schlimmste war gar nicht so sehr der Sprung in die Tiefe, sondern der kalte Wind, der mir ins Gesicht gestoßen ist, und der Ohrendruck. Wirklich genießen konnte ich danach den fantastischen Blick über die Landschaft.“ Ein großartiges Erlebnis, das sie jederzeit wiederholen würde – allerdings nur im Tandem. „Ich bin froh und dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte“, unterstreicht Karen, während ihre Kolleginnen klatschen und sie in die Arme nehmen. Den Sekt, um auf das Abenteuer anzustoßen, haben sie leider vergessen. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.