Bildung sollte Plan A sein.
Black Rhino Academy.

Bildung ist der Schlüssel zum Verstehen der Welt. Doch nicht überall auf der Welt ist Bildung so leicht zugänglich wie in Deutschland. Dafür, dass Bildung zum Plan A wird, engagiert sich in Tansania Caroline Epe. Die gebürtige Düsseldorferin ist hier seit vielen Jahren zuhause und gründete mit ihrem Mann Nickson Mariki in Karatu die Black Rhino Academy.

Autorin: Corinna Bokermann
Fotos: © Black Rhino Academy, Privat

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Zwei Schulen, zwei unterschiedliche Ansätze: Zu große Klassen, zu wenig Material, zu wenig Lehrende. Die Njiapanda Primary School in Karatu (Bild links), in der bis zu 100 Kinder in einer Klasse lernen, steht stellvertretend dafür, mit welchen Herausforderungen "normale" Schulen in Tansania kämpfen. Ein Gegenentwurf dazu ist die Black Rhino Academy (Bilder mitte/ rechts), die sehr gut ausgestattet nach dem Cambridge Curriculum lehrt, aber auch teurer ist.
 

Zu große Klassen, zu wenig Material, zu wenig Lehrer“, fasst Caroline Epe das Dilemma des tansanischen Schulsystems zusammen. Die Grundschule, sie erstreckt sich über sieben Jahre, beenden 70 Prozent der Tansanier. Nur 30 Prozent wechseln auf eine weiterführende Schule. „Es gibt den Versuch, die vier Jahre auf einer weiterführenden Schule zur Pflicht zu machen. Absolviert man sechs, kann man studieren“, erklärt die 39-Jährige. Sie selbst studierte – nachdem sie in England ihr Abitur absolviert hatte – an der Tufts University nahe Boston in den USA und machte dort ihren Bachelor in Wirtschaft und Psychologie. „Über den Lebensplan, den ich im Kopf hatte, war ich mir nach den vier Jahren allerdings nicht mehr so sicher“, blickt Caroline Epe zurück. Sie entschied sich, für eine NGO nach Tansania zu gehen, und arbeitete in einem Waisenhaus. „Für mich war es ein Gap Year am Fuße des Kilimandscharo, ich wollte nicht mehr weg.“ Doch für ihren Master in Development Studies – der Studiengang beschäftigt sich mit den Ursachen und Auswirkungen von internationalen Entwicklungs- und Globalisierungsprozessen – ging es dann doch nach London. Allerdings nur, um anschließend als Volunteer nach Tansania zurückzukehren. „Ich habe schon immer gern Dinge getan, die Leute nicht von mir erwartet haben“, erklärt Caroline Epe. Dort angekommen unterstützte sie ein amerikanisches Ärztepaar beim Aufbau der Foundation for African Medicine and Education (FAME). Längst sind aus den kleinen Anfängen mit 20 Mitarbeitenden 200 geworden und das Krankenhaus verfügt neben einer Abteilung für Geburtshilfe auch über eine Chirurgie. „Bei der FAME geht es aber nicht nur um die medizinische Versorgung, sondern auch um Bildung. Denn Gesundheit und Bildung bringen das Land weiter, vieles andere kreiert einfach nur Abhängigkeiten“, betont die 39-Jährige, die Dinge bewegen will. Offensichtlich ist, dass die tansanischen Schulen überlastet sind. Oft besuchen zwischen 40 und 100 Kinder eine Klasse. Wenn es um die vermittelten Inhalte geht, steht viel Auswendiglernen auf dem Programm. „Kritisches Denken ist nicht erwünscht und spiegelt sich auch nicht in der Ausbildung hoch qualifizierter Tansanier, wie zum Beispiel Ärzten“, lautet ihre Erfahrung. „Aber ich bin davon überzeugt, dass nur diejenigen, die kritisch hinterfragen, eigenständig Ideen entwickeln.“ 

Doch gängige Praxis ist es in Tansania bisher, Autoritäten wie Lehrende nicht in Frage zu stellen, Ja zu sagen und Konflikte zu vermeiden. Eine Situation, die sich nur langsam ändern lässt. „Dafür müssen wir eine Generation ausbilden, die mitdenkt“, unterstreicht Caroline Epe. 

Eine Boarding School zu gründen, die genau diese Form der Bildung unterstützt, hat Caroline Epe inzwischen mit der Black Rhino Academy auf den Weg gebracht: von der Gründung einer Stiftung sowohl in Tansania als auch in Deutschland bis hin zur Suche nach einem Architekten, der die Planung der Black Rhino Academy übernahm. „Wir wollten ein Gebäude, das lokal aussieht – die Ziegelsteine wurden im Ort gebrannt – und doch ungewöhnlich ist“, freut sie sich über das 2018 eröffnete Schulgebäude in Karatu.

Inhaltlich war für Caroline Epe von Anfang an klar, auf ein weltweit anerkanntes Bildungsprogramm – nämlich das Cambridge Curriculum – zu setzen. „Der Lehrplan ist für seinen innovativen Bildungsansatz bekannt, der zu kritischem und lösungsorientiertem Denken sowie selbstständigem Lernen anregt. Vor allem aber besteht damit die Möglichkeit, dass die Schülerinnen und Schüler international studieren können. Natürlich brauchen alle Kinder eine Grundausbildung, aber um das Land nach vorn zu bringen, braucht es eine qualifizierte Führungsschicht.“ Auch in Tansania gibt es eine kleine Anzahl an Privatschulen, die zwischen 500 und 1.500 Euro im Jahr kosten. „Das ist viel Geld für tansanische Verhältnisse, aber nicht unerreichbar“, erklärt Caroline Epe. Die Black Rhino Academy setzt bei der Auswahl der Schülerschaft auf einen Mix. Viele von ihnen kommen direkt aus Karatu. Zwei Drittel der Eltern bezahlen das volle Schulgeld, ein Drittel der Schülerinnen und Schüler sind Stipendiaten. „Inzwischen sind wir an dem Punkt, dass 70 Prozent der Kosten abgedeckt sind, 30 Prozent finanzieren wir aus Spenden. Und wir wachsen jedes Jahr um eine Klasse“, so die Initiatorin. 

Mit einer Vorschul- und einer ersten Klasse ging die Schule 2018 an den Start. Heute werden an der Black Rhino Academy 96 Kinder in sieben Klassen unterrichtet. Wichtig war und ist es Caroline Epe, ausschließlich tansanische Lehrende zu beschäftigen. Lediglich der Schulleiter ist Brite. „Er unterstützt die Ausbildung und regelmäßige Fortbildung der lokalen Lehrkräfte. Viele sind noch nicht so ausgebildet, wie wir uns dies wünschen“, sagt sie und ist sich sicher. „Die Art der Bildung, die Kinder erhalten, spiegelt die Gesellschaft wider, die in einem Land entsteht.“ Und so ist es an der Black Rhino Academy selbstverständlich, dass die Schülerinnen und Schüler ein Bewusstsein für ihre tansanischen Wurzeln und die eigene Geschichte entwickeln. Unterrichtet wird daher sowohl in Englisch als auch in der Landessprache Swahili. Auch eine Kooperation mit einer deutschen Schule – wie sie jetzt mit dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Bünde angedacht wird – passt ins Konzept der Black Rhino Academy. „Bisher waren unsere Schülerinnen und Schüler allerdings zu jung für einen Austausch“, stellt Caroline Epe fest. „Inzwischen haben wir an unserer Schule aber Klassen, für die es interessant ist, sich im Rahmen einer Schulpartnerschaft mit deutschen Schülerinnen und Schülern auszutauschen und daran zu wachsen.“ Auch sie selbst ist an dem Land gewachsen. Ihr Lebensmittelpunkt liegt längst – nicht zuletzt durch ihre Familie mit Mann und zwei Kindern – in Tansania. „Tansania hat mir beigebracht, was ich will und was ich brauche. Auch das Bewusstsein, dass viele Dinge nicht wirklich wichtig sind. Denn hier sieht man Menschen, die nichts haben. Es ist aber auch ein Land, das sich wirtschaftlich entwickelt und wo der Tourismus wächst. Hier verändern sich ganze Straßenzüge in ein, zwei Jahren.“

Internationaler Schulaustausch
Mit Plan


Damit aus Ideen konkrete Pläne erwachsen, braucht es Engagement. Das bringen Lightness Isojick und Anna Grefe mit. Die tansanische Lehrerin von der Black Rhino Academy in Karatu besuchte im Mai 2024 auf Einladung des Rotary Clubs Herford-Widukind das Bünder Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, um sich einen Eindruck vom deutschen Schulsystem und Unterricht zu verschaffen. Gemeinsam mit Anna Grefe, die hier Englisch, Mathe und Physik unterrichtet und sich um Austauschprogramme kümmert, entstand die Idee einer Schulpartnerschaft. Wenn ihr Plan aufgeht, könnte schon im kommenden Jahr ein erster Schüleraustausch stattfinden.

Warum ist eine Schulpartnerschaft für Sie interessant?

Lightness Isojick: Die Partnerschaft bietet unseren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, von anderen zu lernen, sich weiterzuentwickeln und neue Perspektiven zu gewinnen. Ein Austausch wird das Interesse und den Wunsch wecken, andere Sprachen und Kulturen kennenzulernen, was zu mehr Verständnis und kultureller Toleranz führen wird. Es wäre schön, wenn die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und ihre Ressourcen mit dem Rest der Welt teilen.
Anna Grefe: Wir würden unsere Schulpartnerschaften gern internationaler ausbauen. Ein Austausch, vor allem ein interkultureller, bietet immer einen Mehrwert. Zumal Austauschprogramme durch Corona lange Zeit nicht möglich waren beziehungsweise ins Stocken geraten sind. Wir wollen, dass viele Schülerinnen und Schüler wieder in den Kontext eines Austauschs hineinwachsen und dies in den Köpfen der Schülerschaft, aber auch in den Köpfen der Eltern verankern. Und auch wenn Afrika nie oben auf der Liste für einen Austausch stand – durch das persönliche Kennenlernen besteht bereits jetzt eine gute Basis. Es ist keinesfalls ein einseitiger Wunsch.

Was ist das Besondere an der Black Rhino Academy?

Lightness Isojick: Black Rhino ist die einzige internationale Schule im gesamten Distrikt Karatu und ist sehr schön am Rande einer Kaffeeplantage gelegen. Das architektonische Design mit den roten Ziegeln, die sich gut in die rote Baumwollerde von Karatu einfügen, ist eine Schönheit für sich. Auf unserem Fifa-zertifizierten Fußballplatz spielen Mannschaften aus der ganzen ostafrikanischen Region. Die Klassenräume sind groß, hell und frisch gestrichen. Vor allem aber sind die Klassen klein. Das sind für das Lehren und Lernen guten Voraussetzungen. Außerdem gibt es an der Black Rhino ausreichend Lehr- und Lernmaterialien und als Lehrer und Lehrerinnen stehen uns viele Möglichkeiten und auch Technologien offen, um die Qualität des Unterrichts zu verbessern.
Anna Grefe: Interessant dürfte für unsere Schülerinnen und Schüler sein, wie unterschiedlich die Schulen sind. Die Black Rhino Academy ist eine Privatschule, die nach den Richtlinien des Cambridge Curriculums arbeitet und wo die Schülerinnen und Schüler, wie in einem Internat, auf einem Campus leben. Das Bildungssystem und das Leben in Tansania näher kennenzulernen, ist spannend, denn dort gibt es ganz andere Herausforderungen.

Welche Herausforderungen sind das?

Lightness Isojick: Wie in Deutschland gibt es in Tansania eine Schulpflicht, die aber nicht immer erfüllt wird. Obwohl die öffentlichen Schulen größtenteils kostenlos sind und nur ein geringer Beitrag für Mittagessen und Schulmaterial erhoben wird, bringen viele Familien, vor allem aus der Arbeiterklasse, ihre Kinder nicht oder nur teilweise zur Schule. Die Infrastruktur ist schlecht, die Klassen sind überfüllt und es fehlt an Lehr- und Lernmitteln. Diese Schulen sind oft dem Verfall preisgegeben. Eine Privatschule können sich viele nicht leisten. 70 Prozent der Tansanier arbeiten in der Landwirtschaft. Sie bekleiden keine wichtigen politischen Ämter. Das heißt: Sie haben auch keinen Einfluss darauf, wie viel Geld vom Staat für Bildung zur Verfügung gestellt wird, wann es ankommt und wie es ausgegeben wird. 

Welche Erfahrungen haben Sie selbst gemacht?

Lightness Isojick: Erst wurde ich spät eingeschult, dann zwangen familiäre Umstände meine Eltern, sich beruflich zu verändern. Meine Zwillingsschwester, mein kleiner Bruder und ich lebten daher seit 1992 bei meinen Großeltern. Leider wurde mein Großvater inhaftiert, sodass meine Großmutter auf einer Kaffeeplantage arbeiten musste, um über die Runden zu kommen. Meine Zwillingsschwester und ich verpassten während dieser Zeit oft die Schule und lernten erst mit vierzehn Jahren lesen und schreiben. 1998 zog meine Mutter schließlich in die Stadt, eröffnete ihr eigenes Geschäft und unsere Familie gewann an Stabilität. Für uns war das eine Zeit, in der unsere Lese- und Schreibfähigkeiten wuchsen und Schule immer interessanter wurde. Heute arbeitet meine Schwester als Krankenpflegerin für Ärzte ohne Grenzen, mein Bruder ist Anwalt und ich bin Lehrerin. Wir sind unserer Mutter dankbar, dass sie die Bedeutung von Bildung – trotz aller Schwierigkeiten, die auch für sie damit verbunden waren – für unser Leben erkannt hat. Es war ihre wunderbare Vision.
Anna Grefe: Meine Schulzeit verlief wie bei den meisten deutschen Kindern. Einschulung mit 6, Wechsel zum Gymnasium nach der 4. Klasse und Abitur mit 19. Einzige Ausnahme: Ich lernte ab der 5. Klasse Latein und Englisch, die Sprache, die mich sehr begeisterte, erst ab der 7. Klasse. Während dieser Zeit konnte ich mithilfe von Rotary einen einjährigen Austausch in Australien realisieren und war auch während des Studiums im Ausland. Man lernt dadurch andere Kulturen einfach besser kennen. Das sind immer sehr bereichernde Erfahrungen. Daher sehe ich auch einen Austausch mit der Black Rhino Academy als eine einmalige Chance. 

Wie groß ist das Interesse der Schülerinnen und Schüler an einem Austausch?

Anna Grefe: Zurzeit organisiere ich eine Englandfahrt – 100 Schülerinnen und Schüler haben Interesse, aber nur 60 können wir mitnehmen. Einen Austausch mit der Black Rhino Academy könnte ich mir mit bis zu 20 Schülerinnen und Schülern unseres Gymnasiums vorstellen. Die Flugkosten sind allerdings nicht unerheblich. Auch mögliche Bedenken der Eltern auszuräumen, ist wie bei jedem Austausch unter Umständen notwendig. Bis wir mit der Umsetzung starten, braucht es sicher noch bis zum nächsten Jahr. Neben Visa, Flügen oder Unterbringung müssen wir beispielsweise klären, welche Jahreszeit sich für einen Besuch anbietet. Jetzt müssen wir erst einmal evaluieren, was möglich ist, wie groß das Interesse und die Bereitschaft für einen Schüleraustausch mit Tansania sind. Wie wir das Programm strukturieren, dürfte dann schnell gehen. 

Warum ist es wichtig, in Bildung – beispielsweise auch durch einen Austausch – zu investieren?

Anna Grefe: Bildung und Austausch tragen dazu bei, demokratisches Denken und Handeln weiterzutragen. Beide Seiten profitieren davon. Das heißt aber auch, offen zu sein für die Unterschiede in unserer Welt. Ziel ist es, gemeinsam mit Jugendlichen aus unterschiedlichen Bildungslandschaften Begegnung zu gestalten, sodass Schülerinnen und Schüler in Afrika und Deutschland daran wachsen können.
Lightness Isojick: Das Bildungssystem in Tansania entwickelt sich. Wir können noch viel von anderen Teilen der Welt lernen und übernehmen. Es gibt viel zu verbessern: von der Infrastruktur über die Qualität des Lehrens und Lernens bis hin zu neuen Technologien und der Verfügbarkeit von Ressourcen. Jeder von uns hat seine Rolle, um das Wachstum unserer Bildung für eine bessere Zukunft zu unterstützen. Die Menschen profitieren von der Qualität der Bildung, die sie erhalten. Wenn wir gut ausgebildete Bürgerinnen und Bürger haben wollen, die effektiv zum Wachstum und zur Entwicklung unseres Landes beitragen können, müssen wir bereit sein, dem Thema Bildung Priorität einzuräumen und ernsthaft in sie zu investieren. 

Was heißt das speziell für Afrika?

Lightness Isojick: Der afrikanische Kontinent hat die jüngste Bevölkerung der Welt. In Tansania sind 60 Prozent der Bevölkerung jünger als 18 Jahre. Die Frage ist: Was machen wir mit dieser jungen Generation? Bereiten wir sie darauf vor, verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger zu werden, die das Land wirtschaftlich voranbringen? Und wie sieht es künftig aus, wenn viele Jobs überflüssig werden und künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch ist? Die wichtigste Frage ist nicht, ob diese junge Generation das Land verlassen wird, sondern welche Position sie in der Welt einnehmen wird.  

Njiapanda Primary School.
Bildung unterstützen.

Matrona Pancras leitet seit vier Jahren die Njiapanda Primary School in Karatu, einer Kleinstadt im Norden von Tansania. Seit Kurzem erhält die staatliche Grundschule mit mehr als 700 Schülerinnen und Schülern Unterstützung vom Rotary Club Herford-Widukind. Ziel ist es, nachhaltig zu unterstützen, Grundlagen für eine verbesserte Infrastruktur zu schaffen und für bessere Bildungsmöglichkeiten zu sorgen.

Matrona Pancras, was zeichnet die Njiapanda-Grundschule aus?

Besonders ist neben der guten Lage unserer Schule sicherlich das Miteinander zwischen Lehrern und Eltern und die ausgezeichnete Zusammenarbeit des Kollegiums. Das trägt zum erfolgreichen Abschneiden bei nationalen Prüfungen bei. 

Was bewegt Sie als Schulleiterin?

Ich bin seit elf Jahren Lehrerin; davon arbeite ich seit vier Jahren als Schulleiterin für die Njiapanda Primary School. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass gute Leistungen in der Schule erforderlich sind, um erfolgreich sein zu können. Daher möchte ich den Schülerinnen und Schülern die Bedeutung von Schule vermitteln und sie dazu bringen, gerne und hart zu lernen. Gleichzeitig geht es mir darum, die Bedürfnisse jedes Einzelnen entsprechend seinen Träumen zu erfüllen.

Beschreiben Sie doch kurz die aktuelle Situation an Ihrer Grundschule.

Es mangelt an Klassenräumen, es gibt zu wenig Lehrerinnen und Lehrer und es fehlt ein Verwaltungsgebäude. Weitere Herausforderungen sind eine unzureichende Wasserversorgung und Probleme mit den sanitären Anlagen. Aus akademischer Sicht ist die Situation der Schule allerdings gut. Unsere Schülerinnen und Schüler zeigen, wie gesagt, gute Leistungen in den nationalen Prüfungen und wechseln im Anschluss auf die weiterführende Schule. Das tansanische Schulsystem startet mit einer einjährigen Vorschule, an die sich eine sechsjährige Grundschulzeit anschließt. Danach besuchen die Schülerinnen und Schüler die weiterführende Schule, die in zwei Zyklen unterteilt ist: Auf die untere Sekundarstufe – Klassen 8 bis 11 – baut die zweijährige obere Sekundarstufe – Klassen 12 und 13 – auf. Der erfolgreiche Abschluss bildet die Zugangsvoraussetzung für die Universität. 

Warum ist Bildung wichtig?

Die Bedeutung von Bildung ist enorm. Nicht nur, weil Bildung dafür sorgt, dass Menschen Wissen erwerben. Sie bildet die Basis, um einen Beruf auszuüben und Geld durch Arbeit zu verdienen. Oder um es auf eine Formel zu bringen: Bildung bringt gute Bürger hervor, stärkt das Selbstvertrauen der Menschen und fördert den Frieden in unserem Land.

Was bedeutet Ihnen die Unterstützung durch den Rotary Club? 

Die Unterstützung des Rotary Clubs Herford-Widukind bedeutet uns sehr viel und erfüllt unsere Schule mit Freude, denn sie trägt dazu bei, unsere Leistungen zu verbessern. Die Ausstattung mit Lern- und Lehrmaterial erleichtert den Unterricht und ermöglicht Schülerinnen und Schülern ein besseres Lernen und Üben. Durch die finanzielle Unterstützung des Rotary Clubs können wir außerdem zwei Freiwillige beschäftigen, sodass wir den Lehrermangel etwas minimieren. Und das Projekt zum Bau eines Lehrerhauses erleichtert die Wohnsituation unserer Lehrkräfte, die dann in der Nähe der Schule wohnen.

Bisher müssen sich bis zu drei Kinder bei einer Klassenstärke von etwa 100 Schülerinnen und Schülern eine Schulbank teilen. Zu den kritischen Punkten zählt auch die Wasserversorgung. „Schülerschaft und Lehrkräfte müssen einen zuverlässigen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Es geht darum, nachhaltige Lösungen zu schaffen, wie beispielsweise den Einbau von Wassertanks“, erklärt Clubmitglied Dr. Klaus Bockermann, der während einer Projektreise zufällig auf die Bedarfe der Schule aufmerksam wurde.


Gut zu wissen:

Weltweit positive Veränderungen bewirken – dafür steht das Engagement des Rotary Clubs Herford-Widukind in Tansania, der inzwischen auch seinen niederländischen Partnerclub aus Waddinxveen von dem Projekt überzeugen konnte. Der Club freut sich über weitere Unterstützung für die Njiapanda Primary School in Karatu. 
Weitere Infos & Kontakt: 
Dr. Klaus Bockermann
klaus.bockermann@bockermann-fritze. de

Engagement für Bildung: Chris Tall School in Nepal
Comedian Chris Tall  

Der 32-jährige Comedian aus Hamburg ist seit mehreren Jahren Botschafter von Magic Moments und unterstützt die Projekte der Organisation. In Sindhupalchok östlich von Kathmandu trägt die erste Schule, die mit Hilfe von Magic Moments in Nepal gebaut wurde, seinen Namen. In der Chris Tall School unterrichten fünf Lehrer rund 100 Kinder. Alle erhalten Unterricht, Verpflegung, Schulkleidung sowie Schulmaterial kostenlos; die jüngeren Kinder werden in den drei Kindergärten nebenan betreut. Neben sanitären Anlagen – es gibt drei Toilettenanlagen – gehört auch ein Brunnen zur Schule, der für fließendes, sauberes Wasser sorgt.

Was war der Auslöser für Sie zu sagen: Ich engagiere mich für ein Schulprojekt in Nepal?

Peter Löhmann, ein Freund und Kollege von mir aus der Schweiz, engagiert sich mit seiner Organisation Magic Moments schon sehr lange für Nepal. Bei einem gemeinsamen Auftritt hat er für Unterstützung geworben und die Fotos der Kinder in Nepal haben mein Herz erreicht. Also rief ich meine Agentur an und fragte: „Hey, sollen wir meine Gage samt Provision dorthin spenden?“ So fing alles an … 2019 war ich dann selbst vor Ort und die Herzlichkeit der Menschen dort ist unbeschreiblich.

Die Investition in Bildung ist für Sie wichtig, weil … 

das ein Recht für alle sein muss! Bildung ist alles. Wir wissen oft gar nicht, wie gut es uns geht, weil wir Bildung genießen dürfen. 

Wie haben Sie die Situation vor Ort erlebt?

Herzlich, fröhlich und in manchen Momenten auch unbegreiflich. Ich wurde so liebevoll von den Kindern in der Schule empfangen. Obwohl viele der Menschen im Vergleich zu unseren Verhältnissen in Armut leben, haben sie ein Fest für mich ausgerichtet, mich bewirtet und hochleben lassen. Mit einer Willkommenskultur, von der wir Deutschen uns an so mancher Stelle eine Scheibe abschneiden können. Das hat mich tief beeindruckt und demütig werden lassen. Immer wenn ich Gefahr laufe durchzudrehen, weil ich mich über Kleinigkeiten ärgere, denke ich an Nepal. Dann habe ich ein kleines Tränchen im Auge und denke: „Man ey. Stell Dich nicht so an. Guck mal, wie gut es dir geht.“


LAUGH STORIES-Tour

Comedian Chris Tall gastiert mit seinem Soloprogramm in Hamburg: 7. Juni 2025, „LAUGH STORIES – EINMAL IM LEBEN“, Volksparkstadion