Mit Plan und Weitsicht.
Julian Lenz – Stadtplaner als Schnittstelle.

„Als Stadtplaner ist er eine unserer Drehscheiben“, erklärt Geschäftsführer Martin Pollpeter. Gemeint ist Julian Lenz. Der 34-Jährige erweitert als Projektingenieur der Bauleitplanung seit Mai dieses Jahres das Team der Bockermann Fritze plan4buildING GmbH. Projekte, wie den Innovationspark Weilrod im hessischen Hochtaunuskreis, steuert er mit Plan und Weitsicht.

Autorin: Corinna Bokermann

Eine Machbarkeitsstudie zur Baugebietsentwicklung liegt für das acht Hektar große Areal nördlich von Frankfurt/Main bereits seit vier Jahren vor. Ein attraktives Angebot an Gewerbeflächen soll zur Gebietsentwicklung im Gemeindebereich Riedelbach beitragen, den Standort stärken, für eine stabile Bevölkerungsentwicklung sorgen und zu einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung führen. „Baugebiete schaue ich mir immer erst unter planungsrechtlichen Gesichtspunkten an, um zu sehen, was rechtlich möglich ist“, erklärt Julian Lenz. Ein wesentlicher Punkt ist für ihn beispielsweise, ob der Flächennutzungsplan – der B-Plan – auch eine gewerbliche Nutzung vorsieht. „Falls nicht, lässt sich möglicherweise über den Austausch mit Partnern wie der Kommune klären, ob eine Änderung des Flächennutzungsplans möglich ist“, erklärt der 34-Jährige. Er weiß, wie komplex Verfahren zur Aufstellung von Bebauungsplänen sein können. Am Anfang jedes Bebauungsplanverfahrens steht der Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplanes durch den Gemeinderat.

„Man spricht hier vom sogenannten Aufstellungsbeschluss“, sagt Julian Lenz, der seinen Master in der Stadt- und Regionalplanung in Kassel gemacht hat. Nach einer ersten beruflichen Station in einem Architekturbüro in Kassel wechselte er in ein Stadtplanungs- und Hochbaubüro, bevor er im Mai dieses Jahres bei plan4buildING begann. „Alle Kompetenzen zentral zusammenzuführen, um alle Projekte inhouse abzuwickeln, ist unser Ziel“, sagt Martin Pollpeter. „Unseren Anspruch, alles aus einer Hand anzubieten, wollen wir mit ihm und unserer Kollegin Leonie Weinbrenner professionell nach vorn bringen.“ Auch angesichts der komplexen Herausforderungen, die Bauprojekte wie der Innovationspark in Weilrod mitbringen. „Schon vor dem Vorentwurf sind nämlich viele Punkte zu klären und zu steuern“, macht Julian Lenz deutlich. Mit den ersten Planentwürfen wird immer auch schnell klar, welche unterschiedlichen Belange, insbesondere in puncto Ökologie, durch den Bebauungsplan betroffen sein können. Daher sind verschiedene Gutachten, abhängig von den jeweiligen Planungen und möglichen Nutzungen, zu unterschiedlichen Fragestellungen erforderlich.

Das Spektrum reicht von Boden- und Baugrundgutachten über Umwelt- und Artenschutzgutachten bis hin zu Hochwasser- oder Lärmschutzgutachten. Der durch Logistikunternehmen entstehende Verkehr wird ebenfalls untersucht, um zum Beispiel eine Aussage zur Leistungsfähigkeit der Verkehrswege oder Knotenpunkte treffen zu können. „Die frühzeitige Beteiligung aller Träger öffentlicher Belange ist wichtig, um Projekte schon in der frühen Phase in die richtige Richtung zu lenken“, erläutert Julian Lenz. Kommunikation ist das A und O. Die Öffentlichkeit und die Behörden mit ins Boot zu nehmen, heißt für ihn Transparenz zu ermöglichen. Gleichzeitig können Anregungen und Bedenken gehört und in die Planungen einbezogen werden. 
„Sind die Gutachten abgeschlossen, sind wir als Stadtplaner die Schnittstelle für die Vernetzung“, erklärt Julian Lenz. „Bei uns kommen alle Informationen an.“

Das mehrstufige Verfahren, in dessen Verlauf das Planungsbüro unter anderem einen Entwurfsbeschluss vorbereitet, diesen in die politischen Gremien einbringt und die Abwägungen auf Grundlage der Stellungnahmen vorstellt, mündet nach dem Beschluss in eine zweite Beteiligungsphase, die sogenannte Offenlage. „An diesem Punkt binden wir wieder die Öffentlichkeit und alle Träger öffentlicher Belange ein, um zu zeigen, wie wir mit den Stellungnahmen aus der frühzeitigen Beteiligung umgegangen sind. Liegt schließlich der Satzungsbeschluss des Rates vor, ist die Kommune bezüglich der Bekanntmachung sowie Rechtskraft dran“, listet Julian Lenz die wichtigsten Etappen eines Bebauungsplanverfahrens auf. Doch was heißt das für die Planung eines Projektes wie den Innovationspark Weilrod in der Nähe von Riedelbach? Einen Ort mit 1.200 Einwohnerinnen und Einwohnern, wo die Gemeinde ein acht Hektar großes Areal entwickeln möchte. „Schon die kaskadenartige Gestaltung der Gebäude, die sich landschaftlich gut einfügen, nimmt Ängste. Wie immer gilt es viele Aspekte zu berücksichtigen und miteinander zu verbinden“, formuliert Julian Lenz die Aufgabe. 

„Ein wesentlicher Punkt ist das Thema Ökologie. Wir gehen in Weilrod intensiv darauf ein, damit gar nicht erst Vorurteile entstehen.“ In seinen Planungen berücksichtigt plan4buildING auch wesentliche Quartierseigenschaften, die Zertifizierungen durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) explizit fordern. „Die Zertifizierung begleiten wir und sie ist für die Gemeinde ein echtes Plus – auch mit Blick auf die Vermarktung“, betont der Projektingenieur der Bauleitplanung. Die einzelnen Maßnahmen bilden ein breites Spektrum ab, reichen von der Nutzung erneuerbarer Energie, naturnaher Entwässerung und Regenwassernutzung bis hin zur Förderung der Biodiversität und optimierter Flächeninanspruchnahme. Doch die Bewertungsgrundlage des DGNB fußt nicht nur auf ökologischen Aspekten. Sie setzt auf die ganzheitliche Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes bzw. Quartiers. „Es ist quasi der zukunftsorientierte und anpassungsfähige Standard des Bauens“, macht Julian Lenz deutlich. 

Denn neben ökologischen Aspekten finden ökonomische, soziokulturelle und funktionale sowie technische und Prozessqualitäten gleichermaßen Berücksichtigung. „Ein Bebauungsplan wird schließlich für die kommenden Jahrzehnte gemacht. Die Nutzungsdauer ist ein wichtiger Aspekt, denn wir wollen keine Leerstände riskieren“, betont Martin Pollpeter, der schon bei der Projektierung auf den optimierten Platzbedarf abzielt. „Ebenso wichtig sind soziokulturelle Gesichtspunkte. Das heißt, man muss Anbindungen an das geplante Gewerbegebiet schaffen. Auch Barrierefreiheit, CO2-armes und kreislaufgerechtes Bauen sowie Resilienz sind wichtige Stichworte“, bringt Julian Lenz weitere Ansätze ein. So maßgeschneidert und langlebig wie möglich – so lautet die Devise bei plan4buildING, um Baugebiete zu entwickeln und zu planen.

 

Auszug aus dem BFPlausch NR. 7 Julian und die Bauleitplanung – Interview mit Martin Pollpeter


Martin Pollpeter: Julian, wir wollen über Bauleitplanung sprechen. Sag mal in ein paar Stichworten: Was ist das A und O?

Julian Lenz: Bei der Bauleitplanung ist es wichtig, dass im Vorfeld der Bauleitplanung auch eine sehr detaillierte Recherche stattfindet und wir die Grundlagen für das Plangebiet ermitteln. Und im Laufe der Bauleitplanung ist es besonders wichtig, dass diese zwei Phasen der Beteiligung stattfinden. Dass einmal die Öffentlichkeit an dem Planverfahren beteiligt wird, aber genauso die Behörden und die Träger öffentlicher Belange.

Martin Pollpeter: Okay, und warum ist es wichtig, dass wir uns zum Beispiel heute hier draußen treffen?

Julian Lenz: Es ist wichtig, weil wir uns einfach mal das Plangebiet draußen angucken müssen. Wir können die Bauleitplanung nicht nur am Computer durchführen und uns nur Luftbilder 

oder ähnliche Karten angucken. Wir nehmen das Plangebiet hier ganz anders wahr. Auch die Topografie kommt hier noch mal ganz anders rüber als am Computer. Und wir können zu den verschiedenen Gutachtern schon mal eine erste Einschätzung liefern. 

Martin Pollpeter: Beim Zusammenspiel von Politik, Bürgern, Fachleuten und Gutachtern: Worauf kommt es dabei an?

Julian Lenz: Wichtig ist dabei, dass wir als Stadtplaner diese Vernetzungsstelle sind, dass alle Informationen bei uns ankommen und wir allen verschiedenen Parteien, die neuesten und wichtigsten Informationen liefern, um unser Projekt am Ende schnellstmöglich nach vorne und zum Erfolg zu bringen.

Martin Pollpeter: Dann Prost – auf den Feierabend!

Julian Lenz: Prost!