Sie hat den „Schalter umgelegt“, wie sie lachend erzählt. Von der Bauzeichnerin hin zur zukünftigen Pädagogin. Von einem klar geregelten 8-Stunden-Arbeitstag zum Studierendenleben mit mehr Freiheiten, aber auch der Verantwortung, den Alltag selbst zu strukturieren. Nach ihrer Ausbildung bei Bockermann Fritze DesignHaus studiert Pauline Sahrhage in Münster Berufsschullehramt mit der Fachrichtung Bautechnik.
Autorin: Stefanie Gomoll
Ich würde jedem empfehlen, offen für einen Plan B zu bleiben“, unterstreicht die 23-Jährige. „In die falsche Richtung kann man zwar immer laufen. Aber gerade wenn man jung ist, finde ich es schade, wenn Menschen in ihrem Beruf unzufrieden sind und sich nicht trauen, einen anderen Weg einzuschlagen. Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Bei der Karriereplanung hat sie allerdings nicht nur auf ihr Gefühl vertraut, sondern auch Argumente abgewogen und die Entscheidung im Freundeskreis und im Kollegium besprochen.
Ein kleines bisschen Zufall war ebenfalls im Spiel. Nach dem Abitur hat Pauline Sahrhage nämlich zunächst zwischen einem Lehramts- und Architekturstudium geschwankt. „Durch ein Praktikum bei einem Architekten bin ich dann auf die Ausbildung zur Bauzeichnerin gekommen“, erinnert sie sich. Ideal für die gebürtige Bielefelderin, die räumliches Vorstellungsvermögen, Spaß am Zeichnen und der Arbeit am Computer mitgebracht hat. „Bei BFD habe ich zugleich viel Einblick in den Architekturbereich bekommen. Ich durfte mit zu Gesprächen mit Baufamilien und habe bereits während der Ausbildung an kon-kreten Projekten mitgearbeitet, von der Ent-wurfs- bis zur Ausführungsplanung. Es war ein großes Glück, so nah dran zu sein.“
Nach der Ausbildung hat sie noch ein halbes Jahr als Bauzeichnerin gearbeitet. Stand dann vor der Entscheidung, wie ihre Karriere weitergehen soll. „Der Entscheidungsprozess ist mir nicht leichtgefallen“, unterstreicht die Studentin. „Aber mein Bauchgefühl hat fürs Lehr-amt gesprochen. Beim Architekturstudium hätte mir das Pädagogische gefehlt, die Interaktion.“ So entstand die Idee, Berufsschullehramt mit der Fachrichtung Bautechnik zu studieren. Quasi beide Welten und Interessen zu verbinden. Inspiriert dazu hat sie nicht zuletzt die eigene Berufsschulzeit. „Die Schülerinnen und Schüler bringen ganz verschiedene Voraussetzungen mit und brauchen unterschiedlich viel Unterstützung. Manche haben einen Realschulabschluss, manche Abi; die Zusammensetzung ist vielschichtig. Dieser pädagogische Aspekt ist herausfordernd und reizt mich.“
Dass ihr Wunschstudiengang ausgerechnet in Münster angeboten wird und dort einen guten Ruf hat, ist für sie ein weiterer Glücksfall. „Münster war schon immer mein Traum. Ich finde die Stadt so schön, dass ich da schon immer gerne leben wollte.“ Also hat sich Pauline Sahrhage getraut. Hat – wohlüberlegt, aber auch mit Mut zur Veränderung – den Plan B gewählt. „Anfangs war das sehr aufregend: eine neue Stadt, ein neuer Freundeskreis und ein anderer Alltag. Durch das Berufsleben habe ich mich weiterentwickelt, aber das Studium ist eine andere Art, selbstständig zu werden. Nicht zuletzt, weil ich von zuhause ausgezogen bin.“ Glücklich ist sie, als Werkstudentin bei BFD den idealen Nebenjob gefunden zu haben. „Es ist schön, den Anschluss nicht zu verlieren und den Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen weiterhin zu haben. Ein kompletter Absprung wäre mir schwergefallen.“ Komplett überzeugt ist Pauline Sahrhage dagegen von ihrem neuen Karriereplan. „Das Studium macht mir Spaß und ich habe den Plan B nicht bereut. Für mich war das der richtige Weg.“