Seien wir doch mal ehrlich: Wenn man auf das Thema Fehler zu sprechen kommt, ducken sich die meisten Menschen weg. Auch bei der Erstellung dieses Magazins haben wir diese Erfahrung gemacht. Und sogar Leute, die in diesem Heft zu Wort kamen, fühlten sich anfangs etwas unbehaglich dabei, offen über Fehler zu sprechen. Dabei sind Fehler doch etwas zutiefst Menschliches. Ich möchte sogar so weit gehen und sagen, wenn es keine Fehler gäbe, würde uns allen etwas ganz Essenzielles fehlen.
Autor: Thomas Volkmar
Oder um es mit den treffenden Worten des großen Schauspielers Sir Peter Ustinov zu sagen: „Menschen, die perfekt sein wollen, machen mir Angst, ihnen fehlt die Menschlichkeit.“ Denn ist es nicht gerade das nicht Perfekte, die Ecken und Kanten, die einem Menschen Persönlichkeit verleihen und ihn damit einzigartig machen? Umso trauriger ist es, dass manche Menschen an ihrem eigenen Perfektionsanspruch zerbrechen. Weil sie nie gelernt haben, auch einmal über die eigenen Fehler zu lachen, und ihnen daher diese befreiende Wirkung gänzlich unbekannt ist. Viele Menschen streben nach Perfektion und noch sehr viele mehr möchten zumindest perfekt erscheinen. So werden manchmal fadenscheinige Gründe herangezogen, um Fehler kleinzureden oder die Verantwortung dafür von sich zu weisen.
Verfolgt man Diskussionsrunden in den Medien, so wird man schnell feststellen, dass eigentlich keiner einen Fehler gemacht hat – es waren immer die anderen oder die Umstände waren schuld. Beispiele dafür, dass dem ganz sicher nicht so ist, gibt es reichlich: So war es natürlich ein Fehler der Autoindustrie, so lange auf Verbrennungsmotoren zu setzen und sich nicht viel früher um gute Alternativen zu kümmern. Es war ein Fehler, nicht rechtzeitig und ernsthaft auf die vielen Aspekte der Umweltzerstörung zu achten. Genauso war es ein Fehler, viele soziale Ungerechtigkeiten zuzulassen, anstatt die Gesellschaft in der ganzen Breite voranzubringen. Besonders tragisch wird es für die Gesellschaft, wenn diese Fehler von Politik, Unternehmen und anderen Entscheidungsträgern gemacht werden, die dafür aber keine Verantwortung übernehmen, sondern sich vielmehr aus Gründen der Positions-, Machterhaltung und aus Eitelkeit in Ausflüchten und Schuldzuweisungen ergehen. Fehler sind da meist die Fehler der Anderen und es wird viel Energie darauf verwendet, Erklärungen zu erdenken, warum die gemachten Fehler eigentlich keine Fehler waren.
Ich persönlich würde mir sogar mehr Fehler wünschen ‒ und zwar solche, bei denen die verantwortlichen Personen ganz offen dafür einstehen, Farbe bekennen und erklären, wie es zu dem Fehler kommen konnte. Verbunden mit der Übernahme von Verantwortung, um diesen Fehler zu korrigieren. Wir brauchen eine offene Fehlerkultur und nicht eine Kultur der Fehlervertuschung. Ich bin mir sicher: Wenn alle frei von Eitelkeiten und Egoismen konstruktiv mit Fehlern umgehen würden, könnten wir die Gesellschaft ein großes Stück voranbringen. Übrigens, auch in diesem Magazin werden Sie beim Lesen vielleicht den ein oder anderen Fehler finden – ich übernehme dafür die Verantwortung und entschuldige mich jetzt schon dafür.