Das Brücken bauen kann so einfach sein, wenn sich funktionale Aspekte mit ästhetisch-emotionalen Bedürfnissen verbinden. Denn technische Bauwerke erfüllen eher funktionale Anforderungen, als dass sie durch ihr Design eine besondere Außenwirkung haben.
Autorin: Corinna Bokermann
Den Blick für Gestaltung zu haben und zu wecken sowie tradierte Sehgewohnheiten zu durchbrechen, ist Klaus Bockermann, Gesellschafter und Geschäftsführer der Bockermann Fritze Unternehmensgruppe, deshalb ein Anliegen. Für gutes Design im öffentlichen Raum möchte er auch bei der Auftraggeberschaft Begeisterung entfachen. Dazu gehört die Bereitschaft, von Standardbauweisen abzuweichen und sich auf Neues einzulassen.
„Eine zweifeldrige Spannbetonbrücke ist ein Klassiker“, führt er beispielhaft an, „aber es geht auch anders!“ Eine echte Alternative könnte eine einfeldrige Stahlbrücke sein, die eine Autobahn oder einen Fluss in einem Schwung überspannt.
„Natürlich braucht es auch die Akzeptanz in der öffentlichen Wahrnehmung“, weiß Klaus Bockermann mit Blick auf technische Bauten wie Brücken. Sie überdauern Jahrzehnte und werden tagtäglich, wie öffentliche Plätze und Fußgängerzonen auch, von vielen Menschen wahrgenommen und genutzt. „Da lohnt es sich doch, in gute Gestaltung zu investieren. Das ist nie ein Fehler“, bringt Klaus Bockermann seine Sichtweise auf den Punkt. Auch das Vorurteil, gutes Design sei grundsätzlich teurer, räumt er aus dem Weg und macht sich für funktionale wie ästhetische Lösungen im öffentlichen Raum stark. „Die Qualität eines Quartiers geht vom Stadtboden und den Bauten aus. Einen gewissen gestalterischen Anspruch zu haben, sind wir der Gesellschaft schuldig.“


Mit „form follows function“ formulierte der amerikanische Architekt Louis Henry Sullivan 1894 einen der wohl bekanntesten Gestaltungsleitsätze. Die einprägsame Alliteration schreibt die Abhängigkeit der Form von der Funktion fest. In der Geschichte des Designs ist die Frage, ob die Form oder die Funktion Vorrang bei der Gestaltung genießen sollte, inzwischen vielfach kontrovers diskutiert worden. Und es ist ein Thema, mit dem sich auch die Bockermann Fritze Gruppe auseinandersetzt. Sie bietet in drei Unternehmen ganzheitliche Systemlösungen im Bereich Infrastrukturplanung und schlüsselfertiger Bauleistungen für Logistik, Gewerbe sowie im Wohnungsbau. Die Bockermann Fritze plan4buildING GmbH bündelt innerhalb der BF Gruppe die Kompetenzen für Bauvorhaben im Bereich Gewerbe- und Logistikimmobilien. Jenseits ihres Kerngeschäfts blickt sie jedoch immer auch über den Tellerrand. „Wir wollen uns – parallel zum Tagesgeschäft – breiter aufstellen und treiben daher die Teilnahme an klassischen Architekturwettbewerben voran“, erklärt Florian Glatzel, Architekt der Bockermann Fritze plan- 4buildING GmbH. Beteiligt hat sich sein Team kürzlich unter anderem an einem Wettbewerb für den Neubau einer Kita in Melle und einer Sport- und Gymnastikhalle in Badbergen im Landkreis Osnabrück. Den Auftrag für die Sport- und Gymnastikhalle haben wir nicht erhalten, aber wir haben viel Zeit und Herzblut investiert und wertvolle Erfahrungen gesammelt“, resümiert Florian Glatzel, der sich mehr erhofft hatte und feststellt: „Neuland zu betreten, ist immer ein Risiko und man muss zunächst Zeit und Ressourcen investieren.“ Bei dem Entwurf der Sport- und Gymnastikanlagen ging es darum, den urbanen Wohnstrukturen in ihrer klassischen norddeutschen Architektur und den öffentlichen und in das Schulgelände integrierten vereinseigenen Sportanlagen einen Neubau zur Seite zu stellen, der der traditionellen Baukultur zunächst harmonierend, dann aber emporragend gegenübersteht. Der Entwurf, den die Bockermann Fritze plan4buildING bei dem Wettbewerb einreichte, sieht den flachen Baukörper mit seiner konservativen Klinkersteinfassade als Verbindungsbau für die Eingangs-, Zugangs- und Kommunikationsflächen des Neubaus. „Aus diesem Baukörper brechen die beiden Bauteile der Sport- und Gymnastikhalle heraus und dominieren mit modernen, naturnahen Fassaden aus Holzleisten und einzelnen, vorgehängten Fassadenbegrünungen.
Dadurch gliedern sich die Fassaden in ihre Nutzungseinheiten und grenzen die unterschiedlichen Funktionen der Bauteile ab. Allein die Nutzung gibt häufig schon Anforderungen an die Materialität, Konstruktion und Fassaden vor“, beschreibt Florian Glatzel Intention und Ansatz. Und so folgt das Design oftmals dem Bedarf an Funktionalität. „Speziell bei Gewerbeund Logistikimmobilien steht dieser Aspekt häufig im Fokus.“ Gleiche Materialität, Betonfertigbauteile für Stützen und Dachbalken und Trapezbleche für die Hallenhülle – im Logistikbau gibt es im Vergleich zum privaten Wohnungsbau ein engeres Korsett an Möglichkeiten. Das schließt jedoch nicht aus, technische Bauwerke auch ansprechend und einladend zu gestalten. Auch, wenn Logistikbauten generell funktionale Gebäude mit einer architektonisch überschaubaren Grundstruktur darstellen. Denn auch bei Funktionsbauten findet ein Umdenken in Sachen Design statt. „Die Bauherrenschaft achtet zunehmend mehr auf Design“, so die Erfahrung der Bockermann Fritze plan- 4buildING GmbH. Waren früher meist nur einfarbige, grau- oder silberfarbene Hallenfassaden zu sehen, setzt man in den letzten Jahren vermehrt auf eine farbige oder differenziertere Außengestaltung. „Dass Design immer auch eine Frage des Preises ist, stimmt dabei nicht ganz. Das eine schließt das andere nicht aus“, sagt Projektingenieurin Sinhà-Charlene Ahrens, die Innenarchitektur, Architektur und Farbdesign studiert hat. „Greift man zum Beispiel auf Standard-Farbtöne statt auf Sonderfarben zurück, lässt sich eine farbige Außengestaltung auch wirtschaftlich realisieren.“ Selbst eine Fassade, die nur auf Grautönen basiert, aber neben dem Grundton um zwei Akzenttöne ergänzt wird, sieht gleich viel ansprechender aus. Unterschiedliche Möglichkeiten, wie ein gezielter Wechsel der Farbtöne, ein Kombinationsablauf oder die Anordnung auf der Fassade, ermöglichen eine Vielzahl an gestalterischen Variationen. Bauten trotz ihrer Größe bewusst zu betonen und in den Vordergrund zu stellen oder sie durch eine gezielte Farbgestaltung in die Umgebung einzubinden, damit sie nicht mehr so dominant wirken, eröffnet weitere gestalterische Optionen. Ein zusätzliches Gestaltungselement ist auch der Verlauf der Fassade in vertikaler oder horizontaler Anordnung. „Je nach Ausführung kann so mit dem vorhandenen Fassadenverlauf gespielt werden“, so Sinhà- Charlene Ahrens. Abfolgen und Aufteilungen in verschiedenen Farben setzen zusätzliche Akzente. Zudem bieten die Verwaltungsbereiche gestalterischen Spielraum.

Dominierten in Büroetagen früher häufig Einzelbüros, setzt man inzwischen zunehmend auf Open-Space-Lösungen. „Großraumbüros mit einer offenen Raumgestaltung und einzelnen Zonierungen bieten trotz der offenen Raumaufteilung Bereiche, die mit kleinen Sitzgruppen, Besprechungszonen und geschlossenen Raumboxen für private Gespräche und Telefonate Rückzugspotenzial bieten“, stellt Sinhà-Charlene Ahrens mit Blick auf ein Projekt fest, das für einen skandinavischen Nutzer in Berlin geplant wird. Bei den Planungen wurde zudem ein großer Kantinenbereich mit Küche berücksichtigt, da der Arbeitgeber seinen Mitarbeitenden ein ausgewogenes Essensangebot bieten möchte. Ebenso wie einen Fitnessbereich mit verschiedenen Sportgeräten für eine ausgewogene Work-Life-Balance. Auf Harmonie und ausgewogene Balance setzt auch Tyulyay Feyzula. Allerdings im Bereich Straßenbau und Verkehrsplanungen. Als Projektingenieurin der Bockermann Fritze IngenieurConsult GmbH übernimmt sie die Infrastrukturplanung im öffentlichen Raum. Ein Beispiel dafür ist das Wohnquartier „Neue Mitte Schwenningdorf“ in Rödinghausen mit 13 Einfamilienhäusern, sechs Doppelhaushälften und drei Mehrfamilienhäusern. Die neue Wohnstraße wurde als verkehrsberuhigter Bereich geplant. Die Verkehrsfläche wird als Mischverkehrsfläche ausgebildet, sodass es keine optische oder höhenmäßige Trennung zwischen Gehweg und Fahrbahn gibt. Dabei werden die unterschiedlichen Verkehrsbereiche durch verschiedene Pflasterfarben gekennzeichnet. Die hochkomplexe Aufgabe erfordert Fingerspitzengefühl, denn es gilt, Funktion und Ästhetik miteinander zu verbinden. „Radfahrer, Fußgänger und Autos müssen auf einer Fläche gleichberechtigt zusammengebracht werden“, so Tyulyay Feyzula. „Sie müssen wie eine kleine Gesellschaft zusammen funktionieren, jeder muss seinen Platz finden und sich wohlfühlen.“ Ein Aspekt, der auch hinsichtlich der langen Lebensdauer von Brücken und Straßen in den Fokus rückt. „Stimmt neben der Funktion die Aufenthaltsqualität, identifizieren sich die Menschen mit ihrem Umfeld und nehmen es positiv wahr“, erklärt die Projektingenieurin, die mit ihrer ganzheitlichen Denkweise an die Umsetzung ihrer Projekte geht. Gleichzeitig schlägt sie damit den Bogen zu technischen Bauwerken, wie Gewerbe- und Logistikhallen, die nicht als Fremdkörper wahrgenommen werden, sondern durch ihr gutes wie funktionales Design Betrachtenden ins Auge fallen sollten. Denn: Gutes Design ist nie ein Fehler.