Chancen für den Nachwuchs.
Julia Muc.

Autorin: Corinna Bokermann

Chancen ergreifen, sich etwas trauen und zutrauen. Julia Muc hat alle beruflichen Etappen gemeistert. „Es ging für mich bisher immer einen Schritt weiter. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich als Schülerin Präsentationen schrecklich fand. Doch man wächst in vieles hinein. Heute weiß ich, was ich kann, und verkaufe dies auch gut. Schließlich suche ich die beste Lösung für das jeweilige Problem“, erklärt die sympathische 32-Jährige selbstbewusst, die den Wiedereinstieg in den Beruf nach der Geburt ihrer Tochter vorgezogen hat. Zwei Jahre Elternzeit hatte die engagierte Ingenieurin zunächst eingeplant. Ein knappes Jahr ist schließlich daraus geworden. „Mir war immer klar, dass ich mit Kind weiterarbeiten möchte“, stellt sie fest. Die flexiblen Arbeitszeiten und -bedingungen – zurzeit arbeitet sie zwei Tage im Homeoffice und einen Tag im Büro – bieten ihr gute Voraussetzungen für den Wiedereinstieg und Bockermann Fritze profitiert wiederum davon, qualifizierte Fachkräfte wie sie zu halten. Und füllt damit Themen wie Förderung und Chancengleichheit im Unternehmen mit Leben. Berufsfelderkundung, Stärken-Schwächen- Analyse – das alles hatte Julia Muc bereits hinter sich, als ihr Vater ihr damals einen Zeitungsartikel in die Hand drückte. „Es ging um eine Frau, die als Bauzeichnerin arbeitete“, erinnert sie sich noch genau. „Ich fand die Reportage sehr interessant und da mein Profil – Mathe war immer eins meiner Lieblingsfächer – auch ganz gut dazu passte, habe ich mich schließlich für eine Ausbildung zur Bauzeichnerin bei Bockermann Fritze beworben.“ Auch, weil sie nach dem Abi, statt gleich zu studieren, lieber eine Ausbildung machen wollte. Eine für sie lehrreiche und spannende Zeit, in der sie die Bereiche Brückenbau und Straßenbau intensiv kennenlernte. „Das war großartig. Mein Schwerpunkt war jedoch mit insgesamt zwei Jahren von Anfang an der Brückenbau“, unterstreicht die Ingenieurin, die ihre Ausbildung mit Bravour absolvierte und als eine der Besten des Abschlusses 2012 von der IHK ausgezeichnet wurde. Am Ende der Ausbildung fasste sie den Entschluss, bis zum angepeilten Studium noch ein Jahr Berufserfahrung zu sammeln. „Das Jahr war, wie ich gehofft hatte, gut für mich und hat mich im Unternehmen weitergebracht. Ich habe Anerkennung erlebt und mein Selbstbewusstsein ist gewachsen“, resümiert sie rückblickend. Und so war die Entscheidung, das Studium ein Jahr aufzuschieben, keineswegs Zeitverschwendung, sondern vor allem hilfreich. „Die Ausbildung und meine Erfahrungen haben mir definitiv beim Studium geholfen. Diejenigen, die frisch vom Abi im Hörsaal saßen, hatten es schwerer.“

Während der sechs Semester zum Bachelor of Engineering an der Fachhochschule Bielefeld spezialisierte sich Julia Muc auf den konstruktiven Ingenieurbau. Der Bezug zur Firma und dem Team dort blieb während dieser Zeit durch ihren Minijob bei ihrem ehemaligen Ausbildungsbetrieb bestehen. „Ich war die ganze Zeit mittendrin im Unternehmensgeschehen und konnte, angepasst an mein Studium, sehr flexibel arbeiten. Das war sehr schön, manchmal aber auch stressig.“ Sowohl Ausgleich zum theorielastigen Studium als auch wertvoller Lernort. Julia Muc sammelte praktische Erfahrungen, erhielt Einblicke in das Arbeitsgebiet und konnte bereits eigene Vorstellungen einbringen. 

„Außerdem konnte ich beruflich Schritt halten. Bei Richtlinien, die sich in dieser Zeit verändert haben, war ich ebenso auf dem Laufenden wie bei aktuellen Projekten“, zählt sie einige Vorteile auf. Allein für ihr Praxissemester suchte sich Julia Muc ein Ingenieurbüro in Düsseldorf aus. „Um woanders Erfahrungen zu sammeln“, wie sie sagt. Für die Bachelorarbeit dockte sie jedoch wieder bei Bockermann Fritze an. „Aus der Variantenuntersuchung – für eine Straßenbrücke – ist im Laufe der Zeit ein sehr umfangreiches Projekt inklusive Straßen- und Kanalbau geworden“, erklärt Julia Muc. „Aus ursprünglich einer Brücke bearbeiten wir an dem großen Bundesstraßenkreuz inzwischen fünf Brücken.“ Zurzeit sitzt sie an der Ausschreibung für das Bauwerk, das sie während ihrer Bachelorarbeit 2018 bearbeitet hat. 

„Das zeigt, dass große Maßnahmen Zeit brauchen - auch, weil sie so umfänglich sind.“ Projekte der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) gehören seit ihrer Bachelorarbeit zu ihrem Aufgabenspektrum. „Als Projektingenieurin arbeite ich sehr selbstständig, bin im regen Austausch mit den Auftraggebern, aber natürlich auch mit dem Team in unserem Haus“, so Julia Muc. Letzteres kennt sie und begleitet sie seit vielen Jahren. Auch das ist ihr wichtig. Die Faszination für ihren Beruf ist spürbar. Die Vielfalt ihrer Arbeit begeistert sie. „Es gibt kein Projekt, das dem anderen gleicht. Es gibt immer neue Rahmenbedingungen; dadurch ergeben sich automatisch neue Herausforderungen“, so Julia Muc. Und ganz klar: Eisenbahnbrücken sind ganz anders als Geh-Radweg-Brücken oder Straßenbrücken. Jede Brücke bringt unterschiedliche Anforderungen mit sich. „Auch von Seiten des Auftraggebers müssen natürlich – je nach Lage der Brücke – Gestaltungsvorgaben berücksichtigt werden“, macht Julia Muc deutlich. Und es gibt zahlreiche Faktoren, die die Planung einer Brücke kniffliger machen. Ist zum Beispiel eine Brücke mitten in der Stadt geplant, müssen Parameter wie S-Bahn-Anschlüsse, Rettungswege oder Brandschutzkonzepte in die Planung einfließen. „Zum Brückenbau gehört einfach viel dazu“, sagt Julia Muc lachend. Das ist auch das Spannende. Die Chance, frei zu arbeiten, weiß Julia Muc zu schätzen. Eigene Ideen umsetzen zu können, ist für sie zudem eine schöne Bestätigung. „Meinen KollegInnen und mir wird immer ermöglicht, Verantwortung zu übernehmen. Am faszinierendsten ist aber der Moment, wenn aus den Planungen reale Bauwerke hervorgehen, die zudem über Generationen Bestand haben und ich mit meiner Tochter über eine der Brücken gehe, die ich selbst entworfen und konstruiert habe“, unterstreicht sie.

Nach dem Abi entschied sie sich für eine Ausbildung zur Bauzeichnerin und setzte ihren Weg mit einem Ingenieurstudium konsequent fort. Mittlerweile arbeitet Julia Muc seit mehr als zehn Jahren bei Bockermann Fritze IngenieurConsult. Beruflich gesehen gehört sie zum Nachwuchs in der Engeraner Unternehmensgruppe, privat hält sie bereits mit ihrer kleinen Tochter die nächste Generation in den Armen.