Ein Haus für jede Wohnart.
Bauen in verschiedenen Lebenslagen.

Auf den ersten Blick haben die Häuser der Familien Halemeier senior und junior einiges gemeinsam. Besonders ins Auge fallen die versetzten Pultdächer. Die moderne Optik ist kein Zufall, denn beide Baufamilien haben mit Bockermann Fritze DesignHaus gebaut. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt zwei Häuser für verschiedene Lebenslagen.

Autorin: Stefanie Gomoll

Eine Familie, aber mehrere Generationen und damit auch ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Genau das spiegeln die Neubauten von Silke und Eckhard Halemeier sowie ihrem Sohn Benjamin und Schwiegertochter Inna Halemeier wider. Das beginnt bereits bei der Wahl des Baugrundstücks. Während für seine Eltern vor allem die Verwurzelung in Oetinghausen zählte, kamen für die junge Baufamilie noch andere Erwägungen als die Verbindung zu Enger hinzu. „Wir haben vorher zur Miete gewohnt. Übrigens auch in einem Haus von Bockermann Fritze; deshalb wussten wir um die Qualität“, erzählt Benjamin Halemeier. Das Baugebiet im Vorwerks Hof fiel dem 44-Jährigen auf, weil der Schulweg der Tochter daran vorbeiführte. „Uns war es wichtig, dass alles in der Nähe ist, was wir brauchen. Grundschule, Hallenbad, Bäcker – alles ist fußläufig erreichbar.“ Als generellen Vorteil eines Neubaugebiets sieht er die große Anzahl von Familien mit Kindern. „Da ist immer etwas los und die Kinder können gemeinsam zur Schule gehen“, so der studierte Betriebswirt. „Bei der Lage des Baugrundstücks war uns zudem die relativ lange Einfahrt wichtig, auf der die Kinder spielen können. Und wir haben auf dem 850 qm großen Grundstück nach hinten gebaut, sodass wir relativ ruhig und abgeschieden wohnen.“ Weihnachten 2016 konnte die vierköpfige Familie ihr Haus beziehen, das gut 200 qm Wohnfläche auf drei Etagen bietet.

Als Silke und Eckhard Halemeier zwei Jahre später ebenfalls neu bauten, ließen sie sich vom Haus ihres Sohnes inspirieren. „Das versetzte Pultdach hat uns gut gefallen“, so Eckhard Halemeier. „Die Alternative wäre ein Haus im Bauhausstil gewesen“, ergänzt der 70-Jährige, „aber das war hier im Neubaugebiet in Oetinghausen nicht zulässig.“ Trotz der ähnlichen Optik sind die „inneren Werte“ ihres Hauses komplett anders. Sieben Zimmer und insgesamt 161 qm Wohnfläche verteilen sich auf zwei Etagen.

Das tägliche Leben findet aber vor allem im Erdgeschoss statt. Schließlich haben die Eheleute den Neuanfang mit Beginn ihres Ruhestandes noch einmal gewagt, um altersgerecht wohnen zu können. „Eines Morgens bin ich aufgewacht und habe mir die Frage gestellt: Was machen wir, wenn wir alt werden?“, erinnert sich der Entwicklungsingenieur. „Dann haben wir sehr schnell die Entscheidung getroffen neu zu bauen. Auf der Fahrt zu unserem Sohn haben wir zufällig dieses Grundstück gesehen.“ „Das war schon ein mutiger Schritt“, sagt seine Frau. „Aber der Abschied von unserem alten Haus war die richtige Entscheidung, denn wir wollten es leichter haben. Die Gartenpflege des riesigen Grundstücks war zu viel. Die 590 qm, die wir heute haben, können wir dagegen gut schaffen.“ Mehrere Terrassen sind ebenerdig vom Wohnbereich aus erreichbar. Ein Garten- und ein Gewächshaus am Grundstücksende nehmen das versetzte Pultdach des Hauses wieder auf, ein großes, selbstgebautes Hochbeet bietet Platz für Gemüse. Auch das alte Haus selbst war nicht nur zu groß geworden, sondern mit seinen langen Wegen – etwa vom Schlafzimmer durch den Anbau und über Treppen bis zum Waschkeller – schlicht nicht altersgerecht. Ein Umbau wäre viel zu aufwändig geworden. Stattdessen konnte die Familie mit dem Verkauf des alten Hauses den Neubau finanzieren. „Bei der Planung war uns die Barrierefreiheit sehr wichtig“, unterstreicht Eckhard Halemeier. Prinzipiell kann das ganze Leben im Erdgeschoss stattfinden – kurze Wege und breite, rollstuhlgerechte Türen inklusive. Im Erdgeschoss befinden sich die Küche, die offen in den großzügigen Wohn- und Essbereich übergeht, sowie das Schlafzimmer, das zum Bad mit bodengleicher Dusche und Doppelwaschbecken führt. Auch eine Gästetoilette und der Hauswirtschaftsraum mit Waschmaschine und technischen Anlagen befinden sich im Erdgeschoss. Das Obergeschoss bietet Platz für drei weitere Räume sowie ein Bad mit Dusche. „Momentan nutzen wir sie als Büro, Kinderzimmer für die Enkel und ein Zimmer für mich“, so Silke Halemeier. Perspektivisch könnte hier auch eine Pflegekraft einziehen. „Andererseits ist das Haus theoretisch so geplant, dass es von einer Familie mit zwei Kindern genutzt werden könnte“, sagt die 67-Jährige. Bei der Raumaufteilung hatten beide bereits klare Vorstellungen, haben sich aber ebenso von der Prokuristin und Innenarchitektin Karin Timm-Klüter beraten lassen wie ihr Sohn. „Als junge Familie mit zwei Kindern hatten und haben wir viel Raumbedarf und uns waren andere Aspekte wichtig als meinen Eltern“, erzählt Benjamin Halemeier. Große Kinderzimmer und ein großzügiges Esszimmer für Besuch standen ebenso auf der Liste wie ein Arbeitszimmer, das sich besonders jetzt in Homeoffice-Zeiten bewährt hat. Schlafzimmer, Bad und Wohnbereich auf einer Etage unterzubringen, erwies sich da als nicht machbar. Gästezimmer und Bad, die unter dem Spitzboden liegen, könnten später einmal als „Studentenbude“ für eines der Kinder dienen. „Wir haben lange darüber nachgedacht, ob sich das ganze Haus so planen lässt, dass wir auch im Alter hier leben können“, verrät Benjamin Halemeier. „Aber das hätte zu viele Kompromisse erfordert und so haben wir es lieber auf die aktuellen Bedürfnisse ausgerichtet.“ Eckhard Halemeier ergänzt schmunzelnd: „Wir haben unseren Sohn darauf hingewiesen, dass er später vielleicht noch mal bauen muss.“ Dass das keine Schreckensnachricht ist, haben die „Senioren“ ja bereits bewiesen. Und auch in anderer Hinsicht haben sie den „Junioren“ etwas voraus: Sie haben von Anfang an auf eine Photovoltaik-Anlage gesetzt, die ihr Sohn jetzt nachrüsten will. Darüber hinaus haben aber beide Familien von Baubeginn an energetische Aspekte im Blick gehabt: Sole-Wasser-Wärmepumpe, Dreifachverglasung und eine Belüftungsanlage, die die Schimmelbildung verhindert, sind zukunftstauglicher Standard. Klares Fazit: Bauen mit Perspektive kann gelingen, ein Haus für immer dürfte dagegen schwieriger werden.