Ganz schön smart.
Generation Technik.

Noch begeistert die Gebäudeautomation vor allem Technikaffine. Aber Frank Beckhoff von Elektro-Dirker ist überzeugt, dass es sich um eine Entwicklung mit Wachstumspotenzial handelt. „Vor 20 Jahren kamen wir im Auto ohne Klimaanlage aus, heute wollen wir nicht darauf verzichten. Das ist vergleichbar“, so der Elektrikermeister. „Viele Menschen haben keine Vorstellung von den Vorzügen, aber wer einmal in einem Smart Home gelebt hat, möchte das nicht mehr missen.“

Autorin: Stefanie Gomoll

Mindestens drei Gründe sprechen für eine intelligente, automatisierte Steuerung: die Erhöhung von Komfort, der Sicherheitsaspekt sowie das Potenzial zur Energieeinsparung. Das überzeugt auch immer mehr Baufamilien. „Die Entwicklung der Smart-Home-Technik begann zwar schon vor 20 Jahren, aber inzwischen ist sie ausgereifter und das Preis-Leistungs-Verhältnis besser“, weiß Frank Beckhoff. Seit etwa drei Jahren wird sie bei Firmengebäuden und Privathäusern verstärkt nachgefragt.

So auch bei Bockermann Fritze DesignHaus, für das die Elektro-Dirker GmbH & Co. KG aus Enger smarte Lösungen installiert. „Bei einem Haus in Löhne haben wir gerade eine Vollausstattung gemacht: von Kameras bis zum zentralen Musikserver lässt sich dort alles steuern. In dieser Form ist das allerdings eher selten. Meistens ist der erste Kundenwunsch eine zentrale Steuerung der Jalousien.“ Bereits das bringt neben der Bequemlichkeit weitere Vorteile. So etwa die automatische Beschattung. „Das ist auch für Bürogebäude sehr interessant, damit sie sich über das Wochenende nicht zu stark aufheizen“, unterstreicht Frank Beckhoff. Gleiches gilt für das automatische Hochfahren der Jalousien bei Gefährdung durch Sturm. Sicherheit anderer Art bietet die Anwesenheitssimulation – nämlich die Möglichkeit, die Jalousien über eine App aus der Ferne zu steuern. Überhaupt überzeugt der Sicherheitsaspekt viele NutzerInnen von der smarten Technik, die auch als Alarmanlage fungiert. „Wenn ich das Haus verlasse, übernehmen Bewegungsmelder die Funktion des Einbruchsschutzes. Über Handy kann ich mir eine Nachricht schicken lassen, wenn die Bewegungsmelder während meiner Abwesenheit reagieren. Wenn ich dann die Jalousien rauf- und runterfahren oder das Licht an- und ausgehen lasse, weiß jeder Einbrecher, dass er erkannt wurde“, erklärt der Elektrikermeister. Sicherheit anderer Art bietet die Möglichkeit, Wassereintritt, Rauchentwicklung oder vergessene offene Fenster zu melden. Ein weiterer Aspekt, der im Zusammenhang mit der Gebäudeautomation immer wichtiger wird, ist die Nachhaltigkeit. Räume zu beleuchten oder zu beheizen, in denen sich niemand aufhält, ist schlicht Energieverschwendung. Ein intelligentes Energiemanagement bezieht dagegen verschiedenste Faktoren ein: Die Heizung weiß, was die Beschattung macht, und sorgt so etwa im Winter dafür, dass die solare Energie genutzt wird, weil die Beschattung oben bleibt und die Heizung gedrosselt wird. Sie regelt von selbst die richtige Wohlfühltemperatur in allen Räumen und senkt die Temperatur ab, wenn sich niemand dort aufhält. Auch die Beleuchtung nur bei Anwesenheit sowie das komplette Abschalten stromfressender Stand-by-Geräte bei Abwesenheit sparen Energie und damit Kosten. „Das Smarte ist, dass verschiedenste Funktionen automatisiert und miteinander verknüpft werden“, resümiert Frank Beckhoff. „Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten. Und wenn das Grundprogramm steht, können die NutzerInnen über App auch selbst kleine Änderungen programmieren.“ Natürlich ist das System umso „intelligenter“ bzw. perfekt auf die Bedürfnisse der NutzerInnen zugeschnitten, je mehr Daten vorliegen. Irgendwann „kennt“ das Haus die Gewohnheiten und Bedürfnisse seiner BewohnerInnen besser als sie selbst. Und hier kommt ein Kritikpunkt an der Gebäudeautomation ins Spiel: Insbesondere Cloud-basierte Systeme könnten gehackt werden. Nicht nur aus diesem Grund ist der Elektrikermeister von dem Loxone-System aus Österreich besonders überzeugt. „Manche Systeme schicken die Daten ständig hin und her, da kann die Datensicherheit gefährdet sein. Bei Loxone liegen Sie bei Ihnen zuhause auf einem Miniserver.“

Fotos: © loxone.com

Ein hochwertiges System wie Loxone zu installieren, ergibt für ihn aber nur Sinn, wenn die Automation für verschiedene Bereiche genutzt wird. „Wer nur Licht schalten will, für den ist das Geldverschwendung und der Aufwand zu groß“, unterstreicht der erfahrene Elektriker. „Ich würde empfehlen, Jalousien, Bewegungsmelder, Beleuchtung und Raumtemperatur einzubeziehen. Die meisten Baufamilien entscheiden sich auch so.“ Wie gesagt: Mehr ist immer möglich. So kann die Beleuchtung etwa eine sanfte Weckfunktion übernehmen oder den nächtlichen Weg zur Toilette automatisch mit schwächerem Licht begleiten. Und Musikliebhaber schätzen die Multiroom-Audio-Funktion, die es unter anderem ermöglicht, in jedem Raum andere Musik zu hören. Während das eher in die Kategorie „Komfort“ fällt, ist die Integration von Energie ein echtes Zukunftsthema. „Photovoltaik lohnt sich für Hausbesitzer derzeit vor allem für den Eigenverbrauch“, erklärt Frank Beckhoff. „Über smarte Technik ließe es sich so steuern, dass die Waschmaschine dann läuft oder das Elektroauto dann auflädt, wenn die Sonne scheint. Den Eigenverbrauch zu optimieren, das wird der nächste Trend der Elektrotechnik sein. Den Strom nicht nur zu speichern, sondern in dem Moment, wo er da ist, sinnvoll zu nutzen. Und das ist natürlich einfacher, wenn bereits ein smartes System vorhanden ist.“ Kein Wunder, dass Frank Beckhoff dazu rät, bei Neubauten die smarte Technik gleich miteinzuplanen. Die aktuelle Entwicklung gibt ihm recht.