„Eigentlich ist es schade, dass das, was wir tun, selten sichtbar ist“, lacht Marcel Kleffmann, Kompetenzteamleiter bei Bockermann Fritze plan4buildING. Dabei ist das Thema „Außenanlagen & Entwässerung“ nicht nur ungemein spannend, sondern höchst herausfordernd und essenzieller Bestandteil jeder Bauplanung. So entstehen ausgefeilte unterirdische Bauwerke, die der Ableitung, Rückhaltung oder Versickerung dienen, wenn das Regenwasser aus dem Auge des Betrachters in Abläufe, Rinnen und Mulden verschwindet. In Zusammenhang mit großflächigen Logistikprojekten sind dies auch stets großflächige Entwässerungseinrichtungen.
Autorin: Eike Birck

Wie wichtig eine sorgfältig geplante Entwässerung ist, haben die Auswirkungen von Starkregenereignissen gezeigt, die gerade in den letzten Jahren drastisch zugenommen haben. Das Team Außenanlagen bei Bockermann Fritze plan4buildING, zu dem die Entwässerung gehört, besteht aus sieben Ingenieurinnen und Ingenieuren, sechs Bauzeichnerinnen und Bauzeichnern sowie sieben Auszubildenden und Studierenden. „Jedes Objekt, jedes Grundstück ist anders“, betont Daniel Kolert, der 2016 sein Praxissemester bei Bockermann Fritze plan4buildING absolvierte und seit zwei Jahren Kompetenzleiter Entwässerung ist. „Eine Copy & Paste-Lösung gibt es da nicht.“ „Wenn wir mit der Generalplanung eines Standortes beauftragt sind, ist der große Vorteil, dass wir das Zusammenspiel aus Hochbau sowie Außenanlagen und Entwässerung von Anfang an miteinander verknüpfen“, betont Marcel
Kleffmann.
Die zentrale Frage lautet: Wohin mit dem ganzen Regenwasser? „Im Grunde folgen wir den natürlichen Gegebenheiten aus Versickerung, Verdunstung und Ableitung des Regenwassers. Für uns ist das Bodengutachten immer höchst spannend. Haben wir es mit Lehm- oder Tonboden zu tun, müssen wir auf Versickerungen verzichten“, erzählt Daniel Kolert. Sandboden, wie er häufig in Norddeutschland zu finden ist, eignet sich sehr gut, um Regenwasser abfließen zu lassen.
Allerdings kann es sein, dass der Grundwasserspiegel sehr hoch ist. „Manchmal reicht es schon, mit dem Spaten in die Erde zu stechen, und das Loch füllt sich sofort mit Grundwasser“, weiß Marcel Kleffmann. „Der Abstand zum Grundwasser muss mindestens einen Meter betragen“, so Daniel Kolert.
Aber auch bei einem hohen Grundwasserspiegel gibt es Lösungen. Beim Neubau eines Logistikzentrums in Neumünster wurden 200.000 Kubikmeter Sand aufgeschüttet, um die Entwässerung des Gebäudes zu gewährleisten. So entstand quasi ein 600 Meter langer Strand.
Einen ganzen Felsen unter einem Grundstück gab es bislang noch nicht. „Das ist schon fast ein Running Büro-Joke, wann wir das erste Mal eine Sprengung vornehmen dürfen“, schmunzeln die beiden engagierten Ingenieure. Doch selbst auf ein und demselben Grundstück kann die Bodenbeschaffenheit variieren. „Durch die geogenen Bewegungen der Eiszeit haben wir es zumeist mit verwinkelten Verschiebungen zu tun“, erklärt Marcel Kleffmann. So kann der Boden in einem Teil des Grundstücks sandig sein und sich gut zur Versickerung eignen, während ein anderer Part aus dichtem Lehm besteht. Es kann die ganze Planung über den Haufen werfen, wenn das Gebäude im Hinblick auf die Entwässerung an der falschen Stelle stehen soll. Bei einer Generalplanung wird das von Anfang an berücksichtigt. Um einen gewissen Anteil des Regenwassers zu verdunsten, sind großflächige Dachbegrünungen besonders geeignet. Auf den teilweise 15 Meter hohen Logistikhallen ist das keine einfache Aufgabe für die Tragwerksplaner und erfordert ein hohes Maß an Know-how.
Egal, ob man Regenwasser einer Versickerung zuführt, eine Einleitung in Gewässer – also beispielsweise in einen Bach – vornimmt oder das Wasser einem Regenwasserkanal zuleitet: In den meisten Fällen gibt es hohe Anforderungen daran, das Regenwasser zunächst in großen Beckenzurückzuhalten und nur langsam weiterzugeben, ein sogenannter gedrosselter Abfluss. „Besonders geeignet sind unterirdische Rigolenkörper, die gerne unter den großflächigen Verkehrsflächen angeordnet werden, weil sie dort niemanden stören und sie keine Fläche in Anspruch nehmen, die besser für einen Grünflächenausgleich genutzt würde. „Das muss man sich wie viele übergroße und aufeinandergestapelte Bierkästen vorstellen“, beschreibt Daniel Kolert sehr anschaulich die Vorgehensweise. Fest steht, für jedes Projekt gibt es eine individuelle Lösung für die Entwässerung.