Es ist ja wirklich ein wenig paradox: Unser blauer Planet ist zu 72 Prozent mit Wasser bedeckt, aber dennoch sitzen weite Teile der Erdbevölkerung buchstäblich auf dem Trockenen. Natürlich mangelt es nicht an Wasser. Ganz im Gegenteil, es wird sogar mehr, nur leider nicht dort, wo wir es gebrauchen können. Zum Beispiel durch dramatische Wasserereignisse rund um den Globus, die als Folge des Klimawandels in den letzten Jahren zugenommen haben und wohl weiter zunehmen werden. Massive Starkregen, katastrophale Überflutungen durch Tropenstürme und steigende Meeresspiegel bewegen die Menschen weltweit und fordern immer mehr Opfer. Nur das Wasser, das sie zum Überleben brauchen, wird immer knapper – das Trinkwasser.
Autor: Thomas Volkmar
Afrika leidet seit Jahren unter einer beispiellosen Trockenheit. Es fehlt an sauberem Wasser für den täglichen Bedarf und für die Hygiene. Infolge der Dürre kommt es zu einer dramatischen Nahrungsmittelknappheit, weil das Wasser für die Landwirtschaft nicht reicht. Ganze Landstriche veröden, Tausende Menschen sterben täglich, vor allem Kinder. Die Flucht aus diesen Gebieten hat schon längst begonnen und führt zu vielen weiteren Problemen, auch in Europa. Verdenken kann man es den Menschen nicht, wollen sie doch nur überleben und ihren Kindern eine Perspektive bieten. Dabei gibt es Ansätze für Lösungen, die aber nur halbherzig oder gar nicht verfolgt werden. So ist schon lange bekannt, dass unter dem afrikanischen Kontinent gewaltige Mengen an Grundwasser existieren. Um einmal die Dimensionen aufzuzeigen: Aktuelle Schätzungen gehen von der 14.000-fachen Menge des Bodensees aus. Die Schwierigkeit liegt jedoch in der Erschließung. Sie ist im ersten Schritt aufwändig und teuer und somit kurzfristig gedacht nicht wirtschaftlich für Unternehmen. Und den dortigen Staaten fehlt in den meisten Fällen das Geld dafür. In Zeiten, in denen unglaubliche Mengen an Geld in weniger essenzielle Dinge investiert werden, muss die Frage erlaubt sein: Wie wirtschaftlich kann ein Menschenleben sein?
Und bei uns in Deutschland? Die letzten Jahre waren auch hier geprägt von anhaltender Trockenheit. Talsperren verzeichneten Rekordminusstände und die Trinkwasserreserven nehmen auch bei uns ab. In diversen Landkreisen wurde die Nutzung des Wassers reglementiert. So durfte vielerorts der geliebte Garten nicht mehr begossen werden. Ein Zustand, den man sich in den 1970er Jahren überhaupt nicht vorstellen konnte. Da wurde an jedem Wochenende des Deutschen liebstes Kind, das Auto, mit viel Wasser von Hand gewaschen. Und auf die Frage, ob man zum Essen oder auf einer Party Wasser trinken möchte, bekam man die lustige Antwort: „Wasser ist zum Waschen da.“ Aber wie wir in diesem Jahr erfahren müssen, ist das leichter gesagt als getan. Die aktuelle Energiekrise entfacht eine öffentliche Diskussion um die tägliche Dusche – können wir uns das noch erlauben? Zugegeben, das hat nicht zwingend etwas mit Wassermangel zu tun, sondern eher mit den Energiekosten. Aber haben wir nicht selbst unseren Kindern beim Zähneputzen schon immer gesagt, dass das Wasser dabei nicht laufen muss? Und ja, der gute alte Waschlappen ist in der Tat, zumindest für einige Zeit, auch keine so schlechte Lösung. Denn es bleibt der Fakt, dass auch in unseren Breitengraden das Wasser knapper wird, ungeachtet der dramatischen Niederschlagsmengen in kürzester Zeit, wie wir sie erleben mussten. Denn sie tragen nicht zur Auffüllung unseres Grundwasserspiegels bei, sondern reißen ganze Ortschaften weg und bringen unendliches Leid über die Menschen.
Ob schmelzendes Eis, mit kaum absehbaren Folgen für den Planeten, oder endlose Dürren und im Gegenzug extreme Wetterlagen mit unglaublichen Niederschlagsmengen – Wasser wird in den nächsten Jahrzehnten zu einem existenziellen Thema für die gesamte Menschheit. Bleibt die Hoffnung, dass die vielen hervorragenden ExpertInnen und IngenieurInnen gehört werden und sie die Möglichkeit bekommen, die Probleme zu lösen, egal was es kostet. Ganz nach dem alten Songtext „Wann wird man je verstehn“*.
*Marlene Dietrich machte die deutsche Version von „Where Have All The Flowers Gone“ 1962 berühmt.
Kaum bekannt ist, dass das Lied auf ukrainische Musik zurückgeht, aber auch auf russische.