Emschermensch.
Norbert Schaldach.

„Aber nur bis zur Emscher!” An diesen Satz seiner Mutter kann sich Norbert Schaldach noch gut
erinnern. Er steckte die Grenze ab, wie weit sich die Kinder beim Spielen entfernen durften. Auch
ein Spruch seines Großvaters ist ihm präsent: „Wir haben Ostwind, die Emscher stinkt.“ Für Norbert
Schaldach war es der ganz normale Geruch seiner Kindheit.


Autor: Norbert Schaldach


1953 in Dinslaken an der Emscher geboren, absolvierte der Ruhrpottjunge eine Ausbildung im Duisburger Stahlwerk. Mit 23 Jahren zog er, „nur für das Studium“, nach Bielefeld und blieb. „Obwohl ich als Ruhri in OWL ja fast Migrationshintergrund habe“, wie er lachend sagt. Vierzig Jahre später macht sich Norbert Schaldach auf den Weg, um nachzuschauen, ob die Menschen im Emscherland immer noch so offen, ehrlich und humorvoll sind wie früher.

Die Idee dazu entstand, als er in Michael Holzachs Buch „Deutschland umsonst“ von dessen Erlebnissen entlang der Emscher las. 2016 zog er das erste Mal für zehn Wochen los, kreuz und quer durchs Emscherland. Ohne Plan, aber anders als sein Vorbild mit dem Fahrrad und Geld in der Tasche. „So entstand eines der wunderbarsten Erlebnisse meines Lebens“, unterstreicht Norbert Schaldach. Und schnell war klar: Hier gibt es so viel zu entdecken, dass es mit einem Abstecher in die alte Heimat nicht getan war. Nicht zuletzt deshalb, weil er für Strecken, die eigentlich an einem Tag zu schaffen wären, locker mal eine ganze Woche brauchte. Und das lag nicht an mangelnder Pedalkraft, sondern an den Menschen vor Ort.

Denn während sich der Fluss seiner Kindheit verändert hat – er stinkt nicht mehr –, sind die Anrainer dieselben geblieben: kontaktfreudig und offen. So hagelte es Einladungen zu Grillpartys und in Museen, es gab Übernachtungsangebote in Gartenhäusern und unzählige Gespräche. „Ich habe da wirkliche Freunde gewonnen“, betont Norbert Schaldach. Manchmal auch tierische: Bei seiner nächsten Tour an die Emscher hütet er für ein paar Tage die Katze einer befreundeten Familie.