So ließe sich der Umgang mit dem nassen Element beim Hausbau etwas flapsig auf den Punkt bringen. Denn natürlich sind Trinkwasser und warmes Wasser zum Duschen willkommen, Abwasser oder Regenwasser im Keller dagegen nicht. Gute Architekturschaffende haben das komplexe Thema selbstverständlich im Blick. Aber in Zeiten des Klimawandels und der steigenden Energiekosten kann es nicht schaden, wenn sich Baufamilien selbst gut informieren.
Autorin: Stefanie Gomoll
Das weiß auch Michael Kamphans, der gerade selbst mit Bockermann Fritze DesignHaus gebaut hat. „Wenn sie in die Planung einsteigen, haben Baufamilien viele Ideen, wie ihr Eigenheim aussehen soll, haben aber das Thema ‚Wasser im Haus‘ oft nicht so auf dem Schirm. Doch es lohnt sich, dieses Thema rechtzeitig anzugehen und in die Planung einzubeziehen“, unterstreicht der Umweltingenieur und Projektleiter bei Bockermann Fritze IngenieurConsult. Zwar ist vieles durch die Erschließungsmaßnahmen der Kommune bereits vorgegeben – etwa wo der Trinkwasseranschluss ist und wo das Abwasser in den Kanal geleitet wird –, aber es gilt doch auch einige individuelle Entscheidungen zu treffen. Und das oft sogar früher als gedacht. Denn schon die Lage des Grundstücks – ob Hanglage, in einer Senke oder im Wasserschutzgebiet – zieht weitere Überlegungen nach sich. Mal sind besondere Vorkehrungen gegen potenzielle Überflutungen gefragt, mal fallen Optionen weg, weil zum Beispiel Sole-Wasser-Wärmepumpen in Wasserschutzgebieten nicht erlaubt sind.
Im Bebauungsplan ist zudem vorgegeben, wie viel Fläche maximal versiegelt werden darf. Wenn sich dann der Zugang zum Haus nur mit einer langen Einfahrt planen lässt, kann bereits eine große Fläche versiegelt sein. „Da macht es dann einen Unterschied, ob ich ein Versickerungspflaster einplane, das besonders wasserdurchlässig ist, oder Steine mit schmalen Fugen“, so Michael Kamphans. Beim Umgang mit dem nassen Element müssen gute Planungsbüros und Baufamilien also einiges bedenken. Und die zunehmenden Dürresommer auf der einen und Starkregenereignisse auf der anderen Seite stellen sie vor weitere Herausforderungen.
„Bei den allermeisten Neubauten ist es mittlerweile üblich, Photovoltaik-Anlagen zu installieren“, weiß Michael Kamphans. „Das ist auf jeden Fall sinnvoll. Wir selbst
nutzen den so erzeugten Strom für den eigenen
Verbrauch. Er treibt die Luft-Wasser-Wärmepumpe für die Fußbodenheizung an und er dient der
Warmwasserbereitung. Dadurch sind wir autarker.“
Beim Umgang mit Regenwasser empfiehlt Michael Kamphans, sich rechtzeitig über die aktuellen Regelungen und Vorgaben der jeweiligen Gemeinde zu informieren.
„Immer mehr Kommunen lassen nur noch gedrosselte Mengen an das Kanalnetz zu oder schaffen Anreize, nachhaltig mit dem Regenwasser umzugehen.“ Eine gute Möglichkeit, Regenwasser zu speichern, ist eine Zisterne. „Das ist tiefbautechnisch ein großes Objekt, das in die Grundstücksfläche integriert und damit rechtzeitig geplant werden muss. Der Vorteil ist, dass ich das Regenwasser für
die Gartenbewässerung nutzen kann und die Abwasserabgabe reduziert wird.“ Gerade in Zeiten lang anhaltender sommerlicher Dürreperioden ist es nachhaltiger,
wenn das Regenwasser auf dem Grundstück verbleibt. Dann ist eine Zisterne eine willkommene Alternative. „Theoretisch lässt sich das Regenwasser auch für die Toilettenspülung einsetzen“, ergänzt Michael Kamphans, „aber dann brauche ich einen zweiten, getrennten
Wasserkreislauf, damit das Regenwasser die Trinkwasserleitungen nicht verunreinigt. Das ist aufwändiger in der technischen Durchführung.“
„Inzwischen ist das Thema ‚Überflutungsschutz‘
mehr im Bewusstsein“, weiß Michael
Kamphans. Baugesellschaften achten
verstärkt darauf, seit die Schadensereignisse
zugenommen haben, und
auch Bebauungspläne geben teilweise
Hinweise darauf. Dabei sollte die vorausschauende
Planung bereits bei der Wahl
des Baugrundstücks beginnen. „Wenn es
zum Beispiel in einer lokalen Senke liegt,
könnte sich bei Starkregen-Ereignissen
dort Wasser aufstauen.“ Das ist zwar kein
Ausschlusskriterium für das Grundstück,
aber Architekturschaffende und Baufamilien
sollten Vorkehrungen treffen. Dazu
zählen beispielsweise ein erhöhter Sockel,
die Erschließung der Eingänge über
Stufenanlagen, der Einbau von Entwässerungsrinnen
vor Haus- und Terrassentüren.
Keller- und Lichtschächte lassen
sich durch erhöhte Kantensteine gegen
eindringendes Wasser sichern, und bodentiefe
Fenster sollten nicht in Geländetiefpunkten
liegen. „Ab einer gewissen
Regenintensität sammelt sich das Wasser
zwangsläufig irgendwo“, weiß der Umweltingenieur,
„aber dann sollte es nicht
ins Haus fließen, sondern im Garten versickern.
Das lässt sich über die Außenanlagenplanung
steuern. Gute Planungen
berücksichtigen das, aber Baufamilien
müssen entscheiden, wie umfänglich sie
sich schützen wollen, und das Bauvorhaben
an die örtlichen Gegebenheiten
anpassen.“
Ebenfalls eindeutig nicht im Haus erwünscht ist das Abwasser. Normalerweise
fließt es unbemerkt in den Kanal, aber Überflutungen und Starkregenereignisse können auch hier zu Problemen führen. „Es braucht eine geeignete Rückstausicherung, damit es nicht ins Haus eindringen kann. Wenn der Keller nicht gegen Rückstau gesichert ist,
kann er mit Abwasser volllaufen.“ Und es macht einen Unterschied, ob es sich
um einen Anschluss an den Regenwasser- oder Mischwasserkanal handelt. Eine
Mischwasserrückstausicherung muss auf Grobstoffe und Fäkalien ausgelegt sein.
Die dürfen die Funktion nicht beeinträchtigen, etwa durch Verstopfen.
Ein Anstieg des Grundwasserspiegels in niederschlagsreichen Perioden kann zur
Beeinträchtigung der Bausubstanz führen. Zum Schutz sollte das Gebäude geeignet
abgedichtet werden. Eine Drainage ist eine gute Ergänzung, weil sie dafür
sorgt, dass aufsteigendes Grundwasser ohne Schaden anzurichten an die Kanalisation
abgeführt wird. „Baugrundgutachten“, weiß Michael Kamphans, „geben
einen Überblick, welche Maßnahmen erforderlich sind.“
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