Wasser für Afrika.
Handeln und helfen.

„Ich kann nicht nichts tun“, sagt Jannik Lutz. Deshalb engagiert sich der Projektingenieur, der seit Juli 2020 in der
Münchener Niederlassung von Bockermann Fritze plan4buildING arbeitet, ehrenamtlich in einem Waisenhaus in Sodo im südlichen Äthiopien. Gerade erst ist er von seinem vierten Besuch aus Afrika zurück.


Autorin: Eike Birck

Das  wohl größte Problem ist die starke Verschmutzung von Trinkwasserquellen“, sagt Jannik Lutz. „Zwar ist das Waisenhaus an die städtische Wasserversorgung angeschlossen, aber das Trinkwasser ist so stark verschmutzt, dass die Gefahr besteht, ernsthaft zu erkranken.“

Die Verunreinigung entsteht in erster Linie durch Fäkalien. Äthiopien zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Wie in Sodo gibt es meist keine Sanitäranlagen nach westlichem Standard. Die provisorischen Toiletten in Form von Gruben werden zugeschüttet, wenn sie voll sind. Manchmal sind diese nur wenige Meter von einem Brunnen entfernt. In Äthiopien stirbt eines von fünf Kindern unter fünf Jahren an einer Erkrankung, die auf verschmutztes Wasser zurückzuführen ist.

Bereits 2018, bei seinem ersten Besuch in der zweitgrößten Stadt im Süden des Landes – inoffiziell etwa 500.000 EinwohnerInnen – , nahm der Umweltingenieur Wasserproben zur Analyse. Zusammen mit lokalen Töpferinnen hat er Tonwasserfilter hergestellt. Eine kostengünstige Variante, um an sauberes Trinkwasser zu kommen. „Das hat leider nicht so gut funktioniert, weil in Äthiopien der Ton nicht in einem Ofen, sondern traditionell auf einem offenen Feuer gebrannt wird. Dadurch wird er leicht rissig und ist zum Filtern nicht mehr gut geeignet. Außerdem ist die Ausbeute an sauberem Wasser sehr gering.“

Zwar sind die EinwohnerInnen von Sodo – anders als in vielen ländlichen Gebieten – an eine Wasserversorgung angeschlossen, aber neben der schlechten Qualität ist der Zugang zudem kostspielig und das Wasser fließt nicht zuverlässig durch die Leitungen. Manchmal liegt es an der fehlenden Stromversorgung, an den Pumpen oder an zum Teil willkürlichen Rationierungen.

Bildung, Wasser und Abfall

Im Waisenhaus Uryadi’s Village werden rund 90 Kinder betreut. „Für die Babys haben die InitiatorInnen um Gründerin Jennifer Crooks ein nationales Adoptionsprogramm aufgelegt. Das funktioniert sehr gut“, sagt der Projektingenieur. „Wichtig ist, dass ausschließlich äthiopische Eltern Kinder adoptieren können.“ Schwieriger sei die Vermittlung von Babys und Kindern mit einer Behinderung – noch immer ein Stigma in vielen Regionen Afrikas. Auf dem neu dazu erworbenen Nachbargrundstück wurde gerade ein Kindergarten gebaut. Längerfristig sollen dort auch externe Kinder aufgenommen werden. In Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Organisation Connect 3 sollen in Uryadi’s Village die Themenfelder Bildung, Wasser und Abfall – die wohl wichtigsten Themen in armen Ländern – angegangen werden. Empowering Communities ist das Ziel.

Im peruanischen Regenwald ist Connect 3 bereits erfolgreich tätig und überträgt das Konzept nun auf Sodo, das wiederum perspektivisch auf die ganze Region wirken soll. Jannik Lutz lernte eine der InitiatorInnen von Connect 3 auf einer seiner vielen Reisen kennen. Die Idee hat ihn sofort begeistert. Und durch sein Studium war er prädestiniert für den Bereich Wasserressourcenmanagement. Seine Master-Arbeit (August 2019 bis Januar 2020) im Bereich Wasserressourcenmanagement und Siedlungswasserwirtschaft hat er in Kooperation mit der lokalen Wolaita Sodo Universität geschrieben. Dazu hat er eine Qualitätsanalyse von 30 verschiedenen Quellen durchgeführt – aus oberflächennahen und auch aus tiefen Grundwasserquellen. Er fand heraus, dass die Verunreinigung bei Wasser aus tieferen Quellen erst auf dem Weg zum Entnahmeort in den Leitungen entsteht. Denn die Rohre sind oft undicht und es finden wenige Dichtigkeitsprüfungen statt. Häufig wurde schlechteres Material verbaut. „Die Materialien werden überwiegend in Asien hergestellt. Die höherwertigen Produkte werden an die Industrienationen geliefert, während die B-Ware in Afrika landet“, stellt Jannik Lutz fest.

Wasser ist Leben

Jetzt will der Spezialist für Wasserressourcenmanagement die aus seiner Master-Arbeit gewonnenen Erkenntnisse in einem Trinkwasseraufbereitungskonzept umsetzen und damit einen aktiven Beitrag zur Sicherung der Trinkwasserversorgung des Waisenhauses leisten. Im Frühsommer 2022 war er vor Ort, dafür bekam er von seinem Arbeitgeber Sonderurlaub.

Zuvor hatte die Bockermann Fritze Unternehmensgruppe hausintern zu einer Spendenaktion aufgerufen und den von den Mitarbeitenden gespendeten Betrag verdoppelt. Geld, das unter anderem in Hochbehälter sowie hocheffiziente Wasserfilter investiert wird. „Ich habe Kontakt zu einer Firma in Freiburg aufgenommen, die solarbetriebene Trinkwasseraufbereitungsanlagen anbietet. Damit macht man sich unabhängig von Strom, der in Sodo nicht immer zuverlässig vorhanden ist. Außerdem sind die Filter sehr wartungsarm und es wird ausreichend Wasser gefiltert“, berichtet der engagierte Umweltingenieur. Jannik Lutz, der bei Bockermann Fritze schwerpunktmäßig mit Entwässerung befasst ist, hat zudem die Pläne erstellt und die Standorte für die rund sechs Meter hohen Hochbehälter festgelegt. Sie werden am höchsten Punkt des Baugeländes positioniert, damit das Wasser durch den hydrostatischen Druck ohne weitere Kraft- oder Druckzufuhr zu den Wasserhähnen gelangt.

Während des Bauprozesses ist es entscheidend, die Regenzeit im Blick zu behalten, da das Gelände am Fuße eines Bergs liegt und Erdrutsche gang und gäbe sind. Um den starken Regenmassen zu begegnen, wurden auch mehrere Rückhaltemulden eingeplant. „In der heißen Bauphase ist es dann wichtig, dass jemand vor Ort ist, der sich damit auskennt.“ Und vielleicht fliegt Jannik Lutz auch selbst nach Äthiopien, um zu sehen, wie seine Pläne funktionieren und die Menschen in Sodo endlich zuverlässigen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.